Dienstag, 30. September 2014

Die erste Woche

Bonjour à tous :)

Ich bin nun schon eine Woche in Cherbourg und langsam fange ich auch an, mich hier einzuleben. Die erste Woche war sehr spannend, interessant und auch lustig. Ich habe viele nette neue Leute kennen gelernt, mir die Stadt angeschaut und war sogar einmal auf dem Meer, bei den ehemaligen Befestigungsanlagen der Stadt, die zum Teil noch sehr gut erhalten sind.

Nachdem ich die erste Zeit hauptsächlich damit verbracht habe, mich einzurichten und die Stadt anzuschauen, habe ich am Wochenende viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Christian hatte nämlich am Freitag Geburtstag und obwohl er nicht gern daran erinnert wurde, bin ich am Freitagmorgen zum Supermarkt gegangen (wir haben hier einen riesigen Supermarkt gleich in der Nähe) und habe ihm einen Whisky geholt. Seine Frau, Mireille, hatte mir einen Tipp gegeben, welche Sorte er am liebsten mag. Den habe ich ihm dann zu seiner Feier geschenkt und er hat ihn gleich an seine (männlichen) Gäste ausgeschenkt.

Am Freitag wurde nur abends gefeiert, nachmittags hat mich Christian mitgenommen, um mit ihm Kartoffeln zu kaufen bei einem traditionellen französischen Bauern. Ein Freund von Christian war auch mit dabei und hat mir viel über die Normandie im Allgemeinen erzählt. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, war es trotzdem ein interessanter Ausflug. Er endete mit 20 Säcken Kartoffeln und einem Schnaps in der Küche des Bauern (der ging dann sogar aufs Haus).
Abends sind dann die Nachbarn von Mireille und Christian vorbeigekommen und wir haben alle sieben in einem Restaurant direkt am Hafen gegessen. Es gab sehr gute Meeresfrüchte und mein Dessert - natürlich Crème Brûlée - war unglaublich lecker. Es wurde natürlich auch viel Wein getrunken, bevor wir spätnachts über den historischen Hafen der Stadt zurückgegangen sind.

Am Wochenende waren dann die Kinder von Christian und Mireille da und Mireille hat ausgiebig für uns alle gekocht. Ich habe ihr am Samstag geholfen, das Haus zu putzen und am Abend haben wir das Essen gemacht. Dazu gab es auch die Kartoffeln vom Bauern und wie Christian es mir schon vorher angekündigt hatte, waren sie wirklich unglaublich gut, viel besser als im Supermarkt.
Außerdem war am Sonntag das Wetter so gut, dass Christian spontan beschlossen hat, eine kleine Bootstour mit ein paar Freunden zu machen. Er hat mich eingeladen, ihn zu begleiten, um mal einen anderen Blick auf Cherbourg zu bekommen. So sind wir also mit dem Boot rausgefahren, haben eine große Runde um die Umgebung gemacht und ich habe wieder einen interessanten Einblick in die Stadtgeschichte bekommen, denn die Freunde von Christian, ein Ehepaar, haben mir die ehemaligen Befestigungsanlagen gezeigt und sind die Grenzen mit dem Boot abgefahren.

Eine der Befestigungen, die noch gut erhalten sind. Leider sind die Anlagen einsturzgefärdet und dürfen  nicht mehr betreten werden.

Ich durfte später auch mal ans Steuer :)
Die großen Fähren pendeln mehrmals täglich zwischen England und Frankreich.

Wahrscheinlich fragt ihr euch, wie ich bei all den Erzählungen und Gesprächen mit meinem Französisch zurechtkomme. Ich muss zugeben, dass ich häufig noch Probleme habe, den alltäglichen Gesprächen zu folgen. Besonders Christian spricht manchmal sehr schnell, aber Mireille ist wirklich die Geduld in Person und versucht mir alles zu erklären, was ich nicht verstehe.
Außerdem wohnt noch Abdullah hier, der in Cherbourg zur Militärschule geht. Er wohnt im 2. Stock, also direkt über mir und spricht nur Französisch (ich glaube, er spricht auch englisch, aber nicht so gut oder nicht so gerne). Er ist seit ungefähr einem Jahr hier und spricht dementsprechend gutes Französisch, aber mit leichtem Akzent, mit dem ich manchmal Schwierigkeiten habe. Er kommt ursprünglich aus Saudi-Arabien und ist auch in Frankreich, um sein Französisch zu verbessern.

Inzwischen habe ich aber auch die anderen Fremdsprachenassistenten in Cherbourg kennen gelernt und mit denen war es sehr lustig. Wir unterhalten uns meistens aus einem Mix aus Englisch und Französisch, weswegen sich unsere Gespräche manchmal sehr konfus anhören. Unter den anderen Assistenten sind zwei Jamaikaner, eine Britin, eine Amerikanerin und ein Mädchen aus Costa Rica. Ich glaube, ich bin die einzige Deutsche in der Umgebung ...

Am Montag haben wir uns alle in der Innenstadt getroffen.

Diese Woche fängt auch die Schule an und das bedeutet für mich, dass ich zunächst hauptsächlich organisatorische Sachen regeln muss. Gestern habe ich mich mit der Tutorin meiner Kernschule getroffen, die wirklich sehr nett und freundlich zu mir war und mir das Wichtigste erklärt hat. Sie kommt auch aus Deutschland, spricht aber (leider) nur Französisch mit mir. Die anderen Tutoren der anderen beiden Schulen lerne ich morgen kennen.

Am Donnerstag geht es dann das erste Mal richtig los, da lerne ich meine zukünftigen Schüler der Kernschule kennen, die mir die Schule zeigen möchten (diesmal auf Deutsch ^^). Ich hoffe, dass ich mir bis nächste Woche meinen Stundenplan zusammengebastelt habe und dann auch genauer weiß, wie meine Arbeitszeiten aussehen. Bis dahin genieße ich noch die freie Zeit hier und beginne schon langsam mit den Unterrichtsvorbereitungen.

Viele liebe Grüße nach Deutschland!

Freitag, 26. September 2014

Erste Eindrücke

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Daheimgebliebene,

nachdem ich letzte Woche meine lang geplante Reise nach Frankreich begonnen habe und nach einer anstrengenden, fast 18-stündigen Autofahrt in Cherbourg angekommen bin, möchte ich euch nun ein wenig von meinen ersten Eindrücken hier berichten.

Wie sich die meisten von euch wahrscheinlich noch erinnern, habe ich die lange Autofahrt nicht an einem Stück durchgezogen, sondern einen zweitägigen Zwischenstopp im französischen Elsaß gemacht. Diese Region ist hauptsächlich für ihre charakteristischen Dörfer bekannt, in denen die Häuser sehr traditionell gebaut sind und sich dicht an dicht aneinanderreihen, meist im Zentrum eines Marktplatzes mit vielen kleinen Geschäften.

Mein Hotel befand sich in Valff, einem kleinen Dorf, wo ich schließlich am späten Abend des 21. Septembers eintrudelte. Die Fahrt war bis dahin gut verlaufen, abgesehen von einem etwas längeren Stau in der Nähe von Stuttgart, aber es war trotzdem schön, wieder in einem Bett liegen zu können :)

Den nächsten Tag habe ich genutzt, um mir Riquewihr und Eguisheim anzusehen, zwei der bekanntesten Dörfer im Elsaß, die aber in Deutschland allgemein nicht so bekannt sind. Da man die Namen sehr schwer aussprechen kann, erkennt man schnell, dass es mit der deutschen Verwandtschaft nicht weit her ist ;-)
Das erste Dorf hat mir auf Anhieb sofort gefallen, weil man das Stadtzentrum durch das Tor des Rathauses sofort erreicht und dort ist es wie einem kleinen Wunderland: Unzählige kleine Geschäfte, in denen regionale Produkte wie Nougat, Macaronen, Kekse, Kuchen und Lebkuchen sowie traditioneller Wein, Postkarten, Plüschtiere und sonstige Mitbringsel verkauft werden. Kein Wunder, dass die Gegend gerade bei älteren Leuten so beliebt ist, immerhin liegen alle Geschäfte direkt nebeneinander und es gibt unzählige Restaurants und Cafés mit regionalen Spezialitäten (hauptsächlich Fisch und natürlich die Escargots).



Im Gegensatz dazu ist Eguisheim weniger überfüllt gewesen. Es gab nur einen zentralen Platz mit Cafés und Geschäften und alles andere drumherum waren schmale Schleichwege. Ich bin einmal um den Stadtkern herumgelaufen, was keine 15 Minuten gedauert hat und kam am Ende wieder beim Brunnen des Stadtzentrums heraus. Der Geruch von Wein war in der gesamten Umgebung allgegenwärtig und in jeder Ecke lag ein neuer Weinkeller, den man kostenlos besichtigen und die verschiedenen Sorten probieren durfte.




Nach meinen Ausflügen konnte ich im Hotel abends schon wieder die Sachen packen, denn am nächsten Morgen ging die Fahrt nach Cherbourg weiter, wo ich die nächsten sechs Monate wohnen und arbeiten werde :)
Wohnen werde ich bei einer Gastfamilie, deren Kontakt von meiner Tutorin hergestellt wurde, mit der ich zusammen an einer Schule arbeite. Die korrekte Berufsbezeichnung ist "Fremdsprachenassistentin", aber der Begriff "Teilzeit- und Aushilfslehrerin" trifft es auch ganz gut. Denn genau das ist es, was ich dort machen werde: An drei verschiedenen Schulen eine Deutschlehrerin bei ihrer Tätigkeit unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel Betreuung der Lerngruppen, kleine Übungen, Dialoge usw. Alle Schulen befinden sich in Cherbourg und sind größere Schulen oder Internate, in denen viele Schüler Deutsch als zweite oder dritte Fremdsprache lernen.

Die Fahrt dauerte insgesamt fast 12 Stunden und ich kam in Cherbourg gegen 18:30 Uhr an, also ungefähr eine halbe Stunde früher als angemeldet. Deswegen war ich auch nicht sonderlich überrascht, als ich bei der Familie klingelte und mir keiner öffnete. Ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, mir in der Stadt noch eine halbe Stunde die Zeit zu vertreiben, doch dann wurde ich schon von einer Nachbarin angesprochen, die mich sehr freundlich fragte, ob sie mir helfen könnte. Als ich mich vorstellte, wusste sie schon, wer ich war und rief eine andere Nachbarin herbei, die ebenfalls aus Deutschland kommt und seit Jahren in Frankreich lebt. Keine fünf Minuten später fand ich mich mit einem Kaffee in deren Küche wieder. Sie rief meine Gastfamilie auf dem Handy an und kurz darauf waren sie da, um mich zu empfangen.

So wurde ich also von einer netten Nachbarschaft und einer ebenso netten und herzlichen Gastfamilie in Cherbourg begrüßt. Mireille und Christian, so heißen die beiden, haben mir erstmal mit meinen Sachen geholfen, mir das Haus und mein Zimmer gezeigt und die Haustiere vorgestellt: Einen Hund, zwei Katzen und sechs Hühner. Ich war natürlich hin und weg, vor allem von den zwei süßen Katzen. Und mein Zimmer ist auch sehr schön, im ersten Stock, direkt neben dem Bad, mit großem Bett, Kleiderschrank, Fernseher und Computertisch. Ich habe mich hier gleich heimisch gefühlt und sofort häuslich eingerichtet.



Danach machte uns Mireille noch das Abendessen und wir unterhielten uns in entspannter Atmosphäre. Ich war anfangs noch sehr unsicher wegen meinem Französisch, aber nach einer Weile wurde es besser, weil sie mir weiterhalfen, wenn ich ein Wort nicht wusste oder mich auf Fehler hinwiesen. Sie erzählten mir auch viel von sich und ermunterten mich, einfach draufloszuplappern, was ich ja eigentlich im Deutschen auch sehr gut kann.

Ich mich also in Cherbourg von Anfang an wohl gefühlt und bin wirklich sehr froh, bei einer so unglaublich lieben und zuvorkommenden Gastfamilie gelandet zu sein, die scheinbar grenzenlose Geduld mit mir haben und zudem auch noch sehr gutes und traditionelles Essen zaubern ;) Die nächsten Tage werde ich meine restlichen Ferien noch genießen, mir die Stadt anschauen und euch natürlich weiterhin regelmäßig berichten :D





Bisous et à bientôt!