Freitag, 26. September 2014

Erste Eindrücke

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Daheimgebliebene,

nachdem ich letzte Woche meine lang geplante Reise nach Frankreich begonnen habe und nach einer anstrengenden, fast 18-stündigen Autofahrt in Cherbourg angekommen bin, möchte ich euch nun ein wenig von meinen ersten Eindrücken hier berichten.

Wie sich die meisten von euch wahrscheinlich noch erinnern, habe ich die lange Autofahrt nicht an einem Stück durchgezogen, sondern einen zweitägigen Zwischenstopp im französischen Elsaß gemacht. Diese Region ist hauptsächlich für ihre charakteristischen Dörfer bekannt, in denen die Häuser sehr traditionell gebaut sind und sich dicht an dicht aneinanderreihen, meist im Zentrum eines Marktplatzes mit vielen kleinen Geschäften.

Mein Hotel befand sich in Valff, einem kleinen Dorf, wo ich schließlich am späten Abend des 21. Septembers eintrudelte. Die Fahrt war bis dahin gut verlaufen, abgesehen von einem etwas längeren Stau in der Nähe von Stuttgart, aber es war trotzdem schön, wieder in einem Bett liegen zu können :)

Den nächsten Tag habe ich genutzt, um mir Riquewihr und Eguisheim anzusehen, zwei der bekanntesten Dörfer im Elsaß, die aber in Deutschland allgemein nicht so bekannt sind. Da man die Namen sehr schwer aussprechen kann, erkennt man schnell, dass es mit der deutschen Verwandtschaft nicht weit her ist ;-)
Das erste Dorf hat mir auf Anhieb sofort gefallen, weil man das Stadtzentrum durch das Tor des Rathauses sofort erreicht und dort ist es wie einem kleinen Wunderland: Unzählige kleine Geschäfte, in denen regionale Produkte wie Nougat, Macaronen, Kekse, Kuchen und Lebkuchen sowie traditioneller Wein, Postkarten, Plüschtiere und sonstige Mitbringsel verkauft werden. Kein Wunder, dass die Gegend gerade bei älteren Leuten so beliebt ist, immerhin liegen alle Geschäfte direkt nebeneinander und es gibt unzählige Restaurants und Cafés mit regionalen Spezialitäten (hauptsächlich Fisch und natürlich die Escargots).



Im Gegensatz dazu ist Eguisheim weniger überfüllt gewesen. Es gab nur einen zentralen Platz mit Cafés und Geschäften und alles andere drumherum waren schmale Schleichwege. Ich bin einmal um den Stadtkern herumgelaufen, was keine 15 Minuten gedauert hat und kam am Ende wieder beim Brunnen des Stadtzentrums heraus. Der Geruch von Wein war in der gesamten Umgebung allgegenwärtig und in jeder Ecke lag ein neuer Weinkeller, den man kostenlos besichtigen und die verschiedenen Sorten probieren durfte.




Nach meinen Ausflügen konnte ich im Hotel abends schon wieder die Sachen packen, denn am nächsten Morgen ging die Fahrt nach Cherbourg weiter, wo ich die nächsten sechs Monate wohnen und arbeiten werde :)
Wohnen werde ich bei einer Gastfamilie, deren Kontakt von meiner Tutorin hergestellt wurde, mit der ich zusammen an einer Schule arbeite. Die korrekte Berufsbezeichnung ist "Fremdsprachenassistentin", aber der Begriff "Teilzeit- und Aushilfslehrerin" trifft es auch ganz gut. Denn genau das ist es, was ich dort machen werde: An drei verschiedenen Schulen eine Deutschlehrerin bei ihrer Tätigkeit unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel Betreuung der Lerngruppen, kleine Übungen, Dialoge usw. Alle Schulen befinden sich in Cherbourg und sind größere Schulen oder Internate, in denen viele Schüler Deutsch als zweite oder dritte Fremdsprache lernen.

Die Fahrt dauerte insgesamt fast 12 Stunden und ich kam in Cherbourg gegen 18:30 Uhr an, also ungefähr eine halbe Stunde früher als angemeldet. Deswegen war ich auch nicht sonderlich überrascht, als ich bei der Familie klingelte und mir keiner öffnete. Ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, mir in der Stadt noch eine halbe Stunde die Zeit zu vertreiben, doch dann wurde ich schon von einer Nachbarin angesprochen, die mich sehr freundlich fragte, ob sie mir helfen könnte. Als ich mich vorstellte, wusste sie schon, wer ich war und rief eine andere Nachbarin herbei, die ebenfalls aus Deutschland kommt und seit Jahren in Frankreich lebt. Keine fünf Minuten später fand ich mich mit einem Kaffee in deren Küche wieder. Sie rief meine Gastfamilie auf dem Handy an und kurz darauf waren sie da, um mich zu empfangen.

So wurde ich also von einer netten Nachbarschaft und einer ebenso netten und herzlichen Gastfamilie in Cherbourg begrüßt. Mireille und Christian, so heißen die beiden, haben mir erstmal mit meinen Sachen geholfen, mir das Haus und mein Zimmer gezeigt und die Haustiere vorgestellt: Einen Hund, zwei Katzen und sechs Hühner. Ich war natürlich hin und weg, vor allem von den zwei süßen Katzen. Und mein Zimmer ist auch sehr schön, im ersten Stock, direkt neben dem Bad, mit großem Bett, Kleiderschrank, Fernseher und Computertisch. Ich habe mich hier gleich heimisch gefühlt und sofort häuslich eingerichtet.



Danach machte uns Mireille noch das Abendessen und wir unterhielten uns in entspannter Atmosphäre. Ich war anfangs noch sehr unsicher wegen meinem Französisch, aber nach einer Weile wurde es besser, weil sie mir weiterhalfen, wenn ich ein Wort nicht wusste oder mich auf Fehler hinwiesen. Sie erzählten mir auch viel von sich und ermunterten mich, einfach draufloszuplappern, was ich ja eigentlich im Deutschen auch sehr gut kann.

Ich mich also in Cherbourg von Anfang an wohl gefühlt und bin wirklich sehr froh, bei einer so unglaublich lieben und zuvorkommenden Gastfamilie gelandet zu sein, die scheinbar grenzenlose Geduld mit mir haben und zudem auch noch sehr gutes und traditionelles Essen zaubern ;) Die nächsten Tage werde ich meine restlichen Ferien noch genießen, mir die Stadt anschauen und euch natürlich weiterhin regelmäßig berichten :D





Bisous et à bientôt!

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