Freitag, 19. Dezember 2014

La dernière semaine avant les vacances de Noël

Hallo zusammen,

dies wird vermutlich der letzte Post sein, den ich schreiben werde - zumindest im Jahr 2014. Morgen fliege ich für zwei Wochen wieder zurück nach Deutschland und obwohl ich in meinen ersten drei Monaten in Frankreich eine wirklich unglaublich schöne, spannende und interessante Zeit erlebt habe, freue ich mich dennoch sehr darauf, Weihnachten in der Heimat und mit meinen Liebsten verbringen zu können.

Die letzten beiden Wochen waren sehr ereignisreich gewesen und ich habe versucht, meine freie Zeit nach der Schule gut zu nutzen, um nicht nur meine Weihnachtseinkäufe zu erledigen, sondern um auch weiterhin das Land und seine Kultur besser kennen zu lernen.
Dafür bin ich, wie ihr bereits in meinem letzten Post erfahren habt, vor zwei Wochen nach Paris gefahren. Ich bin zwar schon einige Male dort gewesen, aber die Stadt in der Vorweihnachtszeit zu sehen, war ein ganz besonderes Erlebnis, das ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Ich habe zu Beginn meiner Zeit als Fremdsprachenassistentin bei der Infoveranstaltung für alle Assistenten in Caen eine sehr nette deutsche Assistentin kennen gelernt und wir haben beschlossen, zusammen mit drei anderen Mädchen, am Wochenende des 6. Dezember nach Paris zu fahren und die Stadt gemeinsam zu erkunden.

Als der Tag unserer Abfahrt endlich näher rückte, gab es am Abend vorher jedoch eine schlechte Nachricht: Ausgerechnet an dem Samstag, wo wir nach Paris fahren wollten, streikten die Zugfahrer in ganz Frankreich. Zum Glück stellte sich heraus, dass mein Zug um 7 Uhr nicht betroffen war, aber die anderen, die zusammen aus einer anderen Stadt anreisen wollten, mussten einen späteren Zug nehmen und kamen deswegen erst gegen 15 Uhr in Paris an.
Letztlich war das Ganze aber kein allzu großes Drama, denn als ich gegen 11 Uhr in Paris angekommen war, fand ich auf Anhieb genügend Möglichkeiten, um mir für die verbleibenden vier Stunden die Zeit zu vertreiben. Mein erstes Ziel führte mich natürlich zum Louvre (diesmal aber nur von außen, vor der gläsernen Pyramide), danach ging es weiter auf einen leckeren Crêpe in der Nähe des Eiffelturm am Champ du Mars, zu einer kleinen Kirche im Stadtzentrum und ein paar kleinere Spaziergänge. Wenn man das Metro-Netz in der Tasche hat, ist die Stadt auch gleich viel überschaubarer und man kommt sehr schnell von dem einen Ende der Stadt zum anderen.




Gegen 15 Uhr habe ich die anderen dann vom Bahnhof abgeholt und wir sind erstmal zusammen in unser Hostel gefahren. Es lag nicht weit vom Stadtzentrum entfernt , nur wenige Gehminuten bis zur Kathedrale Sacre Cœur, aber es war eine ziemliche Absteige, mit Zuhältern auf der Straße und anderen zwielichtigen Gestalten. Dafür wohnten viele Leute in der näheren Umgebung der unterschiedlichsten Nationalitäten, weswegen die ganze Umgebung sehr multikulturell angehaucht war.
Das Zimmer beinhaltete nur zwei Doppelstockbetten, einen Stuhl und ein Bad, allerdings ohne WC, das mussten wir uns mit den anderen Bewohnern der Etage teilen. Die Betten waren aber sauber (wenn auch das Kopfkissen seeehr unscheinbar war) und für eine Nacht reichte es vollkommen aus. Allerdings ging eines der Fenster nicht richtig zu und die Heizung funktionierte auch nicht, weswegen es am Abend bitterkalt im Zimmer war und ich meinen Pulli angelassen und mir noch meine Jacke über die Bettdecke gelegt habe. Mitten in der Nacht klopfte es dann aber an der Tür und einer der Angestellten des Hostels brachte unsere Heizung halbwegs zum Laufen, aber das habe ich nur im Halbschlaf mitbekommen ;)

Unser Zimmer für eine Nacht
Nun aber zum eigentlichen Grund unserer Reise, der natürlich nicht darin bestand, ein Hostel zu testen, sondern zusammen Paris zu erkunden. Wir haben die beiden Tage komplett genutzt, waren in der Galerie Lafayette, den gerühmten Einkaufszentrum, haben den glitzernden und leuchtenden Eiffelturm bei Nacht gesehen und unter anderem Notre Dame, Sacre Cœur, den Jardin du Luxembourg, das Institut du Monde arabe und einige andere Sehenswürdigkeiten abgeschaut, die ich hier gar nicht alle aufzählen, sondern lieber ein paar Fotos zeigen möchte.

Auf der Dachterrasse der Galerie Lafayette
Vor Notre Dame de Paris (für die Unwissenden: Es gibt in fast jeder Stadt eine Notre Dame ^^ )
Die unglaubliche Dekoration und gleichzeitig Touristenmagnet der Galerie Lafayette
Blick auf Paris von Sacre Cœur
L'institut du monde arabe
Am Sonntag waren wir außerdem in einem sehr netten und leckeren koreanischen Restaurant essen und haben die beiden Abende natürlich damit verbracht, über den Pariser Weihnachtsmarkt zu schlendern. Dieser lässt sich kaum mit dem deutschen Weihnachtsmarkt vergleichen, es gibt viel Kleinkram zu kaufen, den man eigentlich gar nicht braucht, aber dafür auch sehr guten Glühwein, kandierte Äpfel, Zuckerwatte und Crêpes.


Der Weihnachtsmarkt von Champ Elysée

Arc de Triomphe
Printemps (ebenfalls ein sehr großes Kaufhaus in Paris)
Das war die Kurzfassung eines sehr schönen Wochenendes in Paris, das mit vielen Impressionen gefüllt war. Ich weiß noch nicht genau, ob ich während meines Aufenthaltes noch einmal nach Paris fahren werde, da es eigentlich immer etwas gibt, was man sich anschauen kann. Allerdings ist Frankreich auch sehr groß und es gibt noch viele andere Städte, die ich mir ebenfalls gern einmal anschauen möchte.

Ansonsten war meine letzte Schulwoche vor den Ferien relativ entspannt und nicht ganz so stressig wie die Wochen davor. Am Mittwochabend habe ich mich mit den anderen Assistenten in Cherbourg getroffen und mit ihnen zusammen ein kleines Weihnachtsfest gefeiert. Drei der Assistenten wohnen zusammen im Studentenwohnheim meiner Stammschule und da wir alle aus anderen Ländern kommen, hat jeder eine Spezialität aus seinem Land mitgebracht. Dazu gab es natürlich Baguette und Käse und leckere Desserts. Abschließend folgte noch die Bescherung unter uns und es war ein richtig netter Abend unter tollen Menschen :)



Neugieriges Geschenke-Auspacken ^^
Theo war für mein Geschenk verantwortlich und hat sich sehr gefreut, dass er damit genau meinen Geschmack getroffen hat. Er hat sich sehr viele Gedanken gemacht und ich war richtig gerührt, wie viel Mühe er in sein Geschenk gesteckt hat :D
Abschluss-Posing
Die Schüler waren in der letzten Woche schon sehr in Ferienstimmung, weswegen mit einigen Klassen nicht mehr so viel anzufangen war. Mit den meisten Klassen redete ich über Weihnachten in Deutschland, machte kleine Spiele und stellte ihnen ein paar Weihnachtstraditionen aus dem Erzgebirge vor. Das kam bei einigen Klassen richtig gut an, manche waren nicht so richtig zu motivieren, deshalb habe ich mit ihnen etwas anderes gemacht. Ich bin sehr stolz gewesen auf meine zwei Lieblingsklassen an meiner Stammschule, die sehr gut mitgearbeitet und auch viel gelernt haben. In einer dritten Schule war eine Klasse sogar besonders interessiert, weil sie gerade einen zweiwöchigen Aufenthalt aus Deutschland hinter sich hatten und viele der Dinge, die ich ihnen erzählte, schon selbst auf dem Weihnachtsmarkt dort gesehen hatten.

Mit dem Französisch lief es diese Woche leider eher mäßig, auch mit dem Englisch, was ich manchmal noch mit den anderen Assistenten spreche, die aus England, Irland und den USA kommen. ich war häufig unkonzentriert oder war zu sehr damit beschäftigt, keine Fehler zu machen, dass mir die Aussprache schwerer gefallen ist. Es wäre besser, wenn ich auch in der Schule häufiger Französisch sprechen könnte, aber leider kommt durch den Deutschunterricht immer wieder das Deutsche durch. Es sind schon drei Monate vergangen, seit ich in Frankreich bin und es dauert mir viel zu lange, bis ich etwas Neues dazu gelernt habe. Das versuche ich nun, in Zukunft zu ändern und mich auch in den Ferien weiterhin mit dem Französischen zu beschäftigen, um den Faden nicht zu verlieren.

Doch nun wünsche ich euch allen eine schöne Weihnachtszeit, einen fleißigen Weihnachtsmann und einen guten Rutsch ins neue Jahr :D

Bisous et à bientôt,
Bianca

Sonntag, 30. November 2014

Der französische Alltag

Heute ist Sonntag und es ist ein sehr ruhiger, angenehmer Tag. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet nicht und auch ansonsten herrscht fast vollkommene Stille. Sogar die Möwen, die ich sonst fast jeden Morgen höre, wie sie kreischend über die Dächer ziehen, halten sich heute zurück. Bis auf eine, die sich eben wie auf Kommando kurz zu Wort gemeldet hat.

In Cherbourg zieht langsam Weihnachtsstimmung ein, aber sie ist nicht so aufdringlich und konsumbehaftet wie in Deutschland. Der Verkauf von Weihnachtartikeln begann erst Mitte November und vorher konnte man nur vereinzelt in einigen Möbelgeschäften Weihnachtsbaumkugeln bewundern. Ich finde das viel angenehmer, als die verzweifelten Versuche der deutschen Märkte, eine Festtagsstimmung herbeizuführen.

Im Gegensatz zu der entspannten Stimmung in der Stadt gibt es für mich an den Wochentagen viel zu tun und vorzubereiten, weswegen ich meistens den Freitagnachmittag und den Samstag nutze, um irgendetwas zu unternehmen. Letzten Sonntag war ich in Saint-Lô, eine kleine Stadt wie Cherbourg im Landesinneren der Normandie, in der man sehr gut spazieren gehen und Weihnachtseinkäufe erledigen kann. Und anders als in Rennes, wo ich die Woche davor war, sind die Parkplätze dort kostenlos und bezahlt nicht 0,50€ für 15 Minuten Parken.

Die Straßen von Rennes 
 Saint-Lô hat mir sehr gut gefallen, es gibt eine große Kathedrale und eine kleine Abtei sowie einige langgezogene Gärten, an die sich hohe Mauern anschließen, die durch die ganze Stadt verlaufen, Dadurch sieht man viele Teile der Stadt von oben und kann bei gutem Wetter noch weiter auf die umliegenden kleinen Dörfer in der Normandie schauen. Saint-Lô gehört zu den Städten, die während des 2. Weltkrieges fast vollständig zerstört worden waren, doch im Laufe der Zeit hat sich die Stadt gut entwickelt und vieles wurde wieder aufgebaut oder rekonstruiert.

Blick auf die Innenstadt

Die Gärten von Saint-Lô
Die große Pferdezucht in Saint-Lô - Leider im Winter geschlossen
An diesem Wochenende habe ich keinen längeren Ausflug gemacht, sondern nur ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt und mir die Stadt nochmal von oben angeschaut, weil das Wetter am Morgen sehr gut war.

Cherbourg von oben



Auch wenn das Benzin in Cherbourg im Vergleich zu Deutschland unglaublich günstig ist (das letzte Mal waren 1,39€ pro Liter), geht trotzdem immer etwas Geld dafür weg, wenn ich eine Stadt besuchen möchte, die fast zwei Stunden von Cherbourg entfernt liegt.
Mein nächster Ausflug beginnt nächsten Samstag und dauert diesmal sogar bis zum Sonntag, denn da geht es (endlich) nach Paris und zwar mit dem Zug (mit dem Auto nach Paris zu fahren wäre blanker Wahnsinn). Ich treffe mich dort am Samstag mit ein paar anderen Assistenten (darunter auch eine Deutsche) und am Sonntag mit einem Freund der Familie, der in Paris wohnt. Wir haben auch zusammen ein sehr günstiges Hostel im Zentrum gefunden und ich hoffe, dass es ein schönes Erlebnis wird. Es wäre auch das erste Mal, dass ich Paris in der Weihnachtszeit sehen kann, da wird viel dekoriert und geschmückt, vor allem am Champs-Elysée.

Der gestrige Abend war auch sehr schön. Mireille und Christian haben die beiden Töchter von Christian zum Abendessen eingeladen und dazu noch die Cousins mit ihren Partnern. Mireille hat sehr viel vorbereitet für dieses Abendessen wund es hat wie immer wunderbar geschmeckt. Es war anfangs etwas schwierig, sich an die Dauer eines typisch französischen Abendessens zu gewöhnen, aber inzwischen erwarte ich in meiner Gastfamilie schon gar nicht mehr, dass das Essen vor ein Uhr morgens zu Ende sein wird.
Im Grunde sieht es so aus: Um 20 Uhr gibt es das Aperitif in Form von Champagner und Whiskey, dazu selbstgemachte Snacks. Um 22 Uhr geht man dann zur Vorspeise über dazu gab es Weißwein und natürlich immerzu Baguette, um die Soßenreste damit vom Teller zu wischen. Zwischendurch ergattert auch mal Aloha ein Stück Fleisch von den Resten, die ein richtiger Gourmet sein kann.
Um 22:30 Uhr folgt dann direkt der Hauptgang, mit Rotwein und dem klassischen Cidre und um 23:30 gibt es zum Abschluss noch eine große Käseplatte mit mindestens fünf verschiedenen Sorten aus der Region, dazu wieder eine andere Sorte Rotwein. Und schließlich, zwischen 24 Uhr und 1 Uhr wird dann das Dessert gereicht, manchmal auch erst um 2 Uhr. Das bestand gestern übrigens aus Panna Cotta und hat sehr, sehr lecker geschmeckt :)
Von den gestrigen Gesprächen habe ich allerdings nicht allzu viel verstanden, weil die meisten Gäste sehr schnell gesprochen haben (dazu neigen die Franzosen generell, wenn sie getrunken haben), aber es war trotzdem eine gute Übung, es zumindest zu versuchen.

Ich hoffe, dass ich euch das nächste Mal ausführlicher von meinen Erlebnissen in Paris berichten kann und wünsche euch allein eine schöne Vorweihnachtszeit.

Bisous et à bientôt,
Bianca

Sonntag, 16. November 2014

Neuigkeiten aus Frankreich

Eine Weile habe ich schon nichts mehr von mir hören lassen, deswegen gibt es heute wieder ein paar Neuigkeiten von meinem Leben und Alltag in Frankreich.

Nachdem ich die ersten Ferientage dafür genutzt habe, um mir Cherbourg und die nähere Umgebung in der Normandie etwas genauer anzuschauen, bin ich Ende Oktober für eine Woche zurück nach Deutschland geflogen. Es war ein bisschen ungewohnt, wieder in Leipzig zu sein und das auch nur für so kurze Zeit, aber ich habe meine Ferien auf jeden Fall sehr genossen. Und gleichzeitig war es sehr schön, am 1. November wieder in Cherbourg anzukommen und mich wieder auf die Schule und das Unterrichten zu konzentrieren.

Cherbourg bei Nacht
Inzwischen sind zwei Schulwochen vergangen und langsam kann ich mich auch viel besser auf meine Schüler einstellen und versuche Material und Übungen bereitzustellen, die ihrem momentanen Lernstand entsprechen. Besonders bei den kleinen Klassen klappt das ganz gut, bei den größeren und älteren Schülern ist es manchmal schwierig, etwas zu finden, was sie auch interessiert. Die meisten Klassen habe ich zwar danach gefragt, aber sie wussten selbst nicht, ob sie lieber über die deutsche Kultur, Geschichte oder Literatur sprechen wollten. Ich versuche jetzt, ihnen einen Einblick zu vermitteln und schaue mir dann die Ergebnisse an, um darauf meinen weiteren Unterricht aufzubauen.

Die nächste Schulwoche wird zum Glück weniger theoretisch, denn in Cherbourg findet gerade das deutsche Filmfestival statt und ich gehe fast die ganze Woche über mit meinen Tutorinnen und den Klassen ins Kino. Leider ist die Auswahl der Filme nicht so berauschend (was bei deutschen Filmen aber schließlich generell der Fall ist). Der einzige Film, der sich ein bisschen hervorhebt ist Fack ju Göhte, ansonsten ist es meistens das bekannte Thema des Krieges und der deutschen Teilung. Trotzdem ist es schön, zur Abwechslung mal etwas anderes mit den Schülern zu machen und eine andere Perspektive des Schulalltags kennen zu lernen.

Mit einer meiner Tutorinnen treffe ich mich oft am Wochenende, um zusammen mit ihren Beagles spazieren zu gehen. Das Wetter hält sich bis jetzt ganz gut, deswegen gehen wir oft am Meer entlang und unterhalten uns über die letzte Schulwoche und was für die nächste Woche geplant ist.

Unsere Sonntagsspaziergänge mit den Beagles führen direkt am Meer entlang. Die Hunde lieben das Wasser (auch wenn es hier nicht danach aussieht).

Außerdem hat sie mich einmal mitgenommen, um mir die Gegend zu zeigen. Sie ist wirklich sehr nett und hat mir schon viele Tipps für meinen Aufenthalt hier gegeben.

Das kleinste Rathaus in Frankreich ^^
Eine andere Tutorin lädt mich öfters zum Abendessen ein und da sie keine deutsche Muttersprachlerin ist, interessiert sie sich sehr für deutsche Literatur und die Sprache im Allgemeinen, deswegen diskutieren wir beim Abendessen oft darüber.

Aber auch meine Freizeit versuche ich weiterhin sehr gut zu nutzen. Gestern habe ich einen Ausflug nach Rennes gemacht, die Fahrt dauerte über zwei Stunden, aber das war es auch jeden Fall wert, denn es ist eine sehr schöne Stadt. Sie erinnert ein wenig an Leipzig, da es auch sehr kulturell gefärbt ist und lebendig ist. Jeden Samstag findet dort der zweitgrößte Wochenmarkt in Frankreich statt und all die Stände mit Obst und Gemüse, Fleisch, Fischen, Krabben, Garnelen, Muscheln, Käse, Gewürzen, Honig, Marmelade und Brot zu sehen war auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Rennes - Das Stadtzentrum 
Abtei Sainte-Melanie
Außerdem habe ich das Cap de la Hague besucht, eine sehr stürmische und felsige Küste im Norden, von der man einen schönen Blick auf das Meer hat und sogar einige der angrenzenden Inseln sehen kann. Einen Leuchtturm gibt es doch auch, aber anders als der von Gatteville, den ich mit Julia besucht habe (und der leider an dem Tag nicht geöffnet war, weil es zu stürmisch war), kann man diesen am Cap de la Hague nicht besichtigen.

Das raue Klima am Cap de la Hague
Ein schönes Ereignis der letzten Woche war schließlich noch der Geburtstag eines englischen Assistentin, den wir alle zusammen im Restaurant gefeiert haben. Es war ein lustiger Abend und auch das Essen hat sehr gut geschmeckt.


Ansonsten arbeite ich weiterhin daran, dass mein Französisch langsam besser wird, lerne Vokabeln und Grammatik, lese französische Bücher (meine Tutorin hat mir welche geliehen) und versuche, mich so oft wie möglich mit meiner Gastfamilie zu unterhalten. Da hier auch oft Freunde zu Besuch sind, gibt es zum Glück ständig neue Rede-Anlässe :)

Viele liebe Grüße und bis bald!
Bisous,
Bianca

Sonntag, 19. Oktober 2014

Bianca hat Ferien :D

Hallo zusammen,

nachdem ich nun zwei Wochen Zeit hatte, um in Cherbourg meine Schulen, die Schüler und einige der anderen Lehrer kennen zu lernen, haben gestern die Herbstferien begonnen, die zwei Wochen dauern. Obwohl mir die Zeit an der Schule bis jetzt viel Spaß gemacht hat, freue ich mich trotzdem sehr darauf, das noch schöne Wetter genießen und mir weiterhin die Umgebung genauer anschauen zu können.


Der Strand von Cherbourg ist im Herbst noch sehr schön.
Dafür habe ich noch vier Tage Zeit, die auch schon größtenteils mit Planungen ausgefüllt sind, denn am Donnerstag nutze ich die Ferien auch dafür, um das erste Mal wieder zurück nach Deutschland zu fliegen und meine restlichen Ferien in Leipzig zu verbringen :D

Nur mal zum Festhalten: Auf meiner Fahrt nach Frankreich habe ich endlich die 60.000 erreicht.
Mir meiner Gastfamilie verstehe ich mich weiterhin sehr gut (ich bin manchmal wirklich beeindruckt, wie geduldig Mireille mit mir ist und wie oft sie mich ermuntert, dass mein Französisch immer besser wird - sie ist wirklich ein Herz). Es ist schön, bei den beiden zu wohnen, weil ich mich tagsüber auch längere Zeit zurückziehen und meinen Unterricht vorbereiten kann, aber den Abend verbringen wir meistens gemeinsam. Am Wochenende kommen oft die Töchter von Christian vorbei, sie wohnen quasi um die Ecke und dann gibt es immer Champagner (für die Frauen) und Whiskey (für die Männer). Deswegen gehe ich am Wochenende immer leicht beschwipst ins Bett ;)
Inzwischen kann ich auch den Alltagsgesprächen zwischen Mireille und Christian etwas besser folgen. Mireille spricht sehr gut verständlich, obwohl alle hier einen leichten Akzent der Normandie haben, bei Christian ist es schwieriger, weil er sehr schnell spricht und oft Witze macht. Ein Beispiel: Ich habe ihn neulich gefragt, ob er meinen Schirm gesehen hat, der zuletzt in der Garage gewesen war. Darauf antwortete er sofort: "Ja, hab ich - ich hab ihn in den Müll geworfen."
Vor drei Wochen hätte ich ihm dafür einen typischen fragenden Schafsblick zugeworfen, aber inzwischen habe ich mich darauf eingestellt, dass er fast ständig so reagiert. Dafür ist Christian aber auch unglaublich nett. Als ich ihn ein anderes Mal fragte, wo ich denn einen wirklich guten und nicht allzu teuren Calvados kaufen könnte, sagte er mir, dass der beste Calvados direkt vom Bauern käme. Dann schnappte er sich sein Handy, rief einen befreundeten Bauern und und der kam mit seiner Frau und einigen anderen Freunden prompt zum Wochenende vorbei und brachte mir meinen Calvados mit :)

Auf den Muschelfelsen in Gatteville
Die letzte Schulwoche vor den Ferien habe ich auch meine ersten Unterrichtsstunden gehalten, was zum Teil etwas schwierig war, weil die Deutschkenntnisse der Schüler an meinen drei Schulen sehr unterschiedlich sind. In meiner Stammschule sind die Klassen sehr klein, deswegen ist die Atmosphäre dort sehr familiär (meistens bilden die Schüler vor Unterrichtsbeginn mit den Tischen und Stühlen einen Kreis um das Lehrerpult). Ds Deutschniveau in diesen Klassen ist okay, aber dafür sind die Schüler sehr motiviert und neugierig, stellen viele Fragen und wir können auch gut zusammen lachen.

In meiner zweiten Schule ist es etwas anders. Das Deutschniveau der Schüler ist schlechter und sie sind auch nicht so sehr am Unterricht interessiert, arbeiten aber trotzdem gut mit und machen, was man ihnen sagt. Wenn ich aber Fragen stellen, schauen sie mich meistens nur verwirrt an oder tuscheln: "Qu'est-ce qu'elle a dit?" ("Was hat sie gerade gesagt?"). Ich habe gemerkt, dass die Schüler eher passiv sind, wenn man sie auf Deutsch anspricht, aber wenn ich etwas auf Französisch frage (was ich eigentlich nicht machen soll, der Unterricht sollte komplett auf deutsch sein), habe ich sofort ihre Aufmerksamkeit. Ich arbeite deswegen gerade an Motivierungsaufgaben für diese Klassen.

Der Schulweg zu meiner zweiten Schule an frühen Morgen
Und die Schüler meiner dritten Schule sind ... einfach unglaublich toll. Die Klassen sind zwar groß, meistens zwischen 20 und 25 Schüler, aber sie sind sehr motiviert und sprechen außerdem richtig gut deutsch. Sie stellen kluge Fragen, erledigen alle Aufgaben ohne Murren und sind ruhig im Unterricht. Außerdem ist das die einzige Schule, wo ich regelmäßig auch zu Mittag esse und es schmeckt richtig gut (natürlich nicht so gut wie in der Leipziger Mensa, aber es kommt dem sehr nahe ^^). An meinem ersten Tag dort habe ich im Kantinenraum für die Lehrer nach einer Kaffeetasse gesucht und stattdessen erstmal einen Schrank voll mit Rotwein und Cidre gefunden. Kein Wunder also, dass nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer an dieser Schule so entspannt sind ;)

Mein erstes freies Wochenende habe ich dafür genutzt, um die die Stadt Bayeux anzuschauen, eine wunderschöne Kleinstadt mit einer unglaublich beeindruckenden Kathedrale und den berühmten "Teppich von Bayeux", dem einem der ältesten Leinwanderzählungen der Welt. Von einer meiner Schulen habe ich einen so genannten "Pass éducation" bekommen, durch den ich die meisten Museen zum Preis eines Jugendlichen oder sogar kostenlos besuchen kann. Deswegen muss ich dieses Angebot noch ein wenig ausnutzen :)

Bayeux - eine typische Kleinstadt in Frankreich
Überall hab es kleine Bäckereien mit tollen Naschkram ;)
Die gothische Kathedrale von Bayeux
Heute Nachmittag bin ich dann noch bei meiner Tutorin eingeladen, sie wohnt auf dem Land und hat drei Hunde und zwei Pferde. Wir wollen einen Spaziergang durch die Wälder machen und ich kann mir auch die Pferde anschauen.
Und am Abend sind wieder die Töchter von Christian zu Besuch und diesmal koche ich für die Familie, das original sächsische Essen Ragout Fin. Das kam eher zufällig zustande, weil wir eines abends über typisch (ost-) deutsches Essen gesprochen hatten und Mireille mich gefragt hat, ob ich ihnen etwas zeigen könnte.

Damit wünsche ich euch allen noch eine schöne und entspannte Woche,

très cordi"allemand" Bianca


Freitag, 10. Oktober 2014

Besuch aus Deutschland

Fast zwei Wochen sind seit meinem letzten Post vergangen und allmählich bekomme ich auch das Gefühl, dass meine Zeit hier im Nu vergeht. Es fühlt sich an wie gestern, als ich mich das erste Mal mit meiner Tutorin getroffen und von den Schülern eine Führung durch meine Schule bekommen habe und inzwischen habe ich nun auch alle Schüler meiner zwölf (!) Klassen kennen gelernt und muss langsam anfangen, mir die vielen neuen Gesichter und Namen zu merken.

Die große Anzahl der Klassen kommt dadurch zustande, dass ich an drei Schulen unterrichte und in jeder Schule vier Unterrichtseinheiten halten muss. In den französischen Lycées ist es jedoch üblich, dass eine Unterrichtsstunde tatsächlich nur eine Stunde dauert, deswegen bedeuten vier Unterrichtsstunden auch vier unterschiedliche Klassen. In meiner ersten Schule sind die Klassen sehr klein, meistens nur 9-15 Schüler, in den anderen Schulen bestehen die Klassen dagegen zum Teil aus 20-30 Schülern. Dort herrscht dann dementsprechend auch mehr Gewusel und es ist schwierig, in nur einer Stunde auf jeden Schüler zumindest einmal einzugehen.
In meinen ersten Stunden habe ich mich meistens mit einer Präsentation und Bildern vorgestellt und anschließend durften mich die Schüler "ausfragen". Einige Klassen haben diese Gelegenheit genutzt und viele interessante Fragen erstellt, andere wirkten vollkommen verunsichert oder sie schauten mich nur mit einem fragenden Blick an. Einige Klassen stellten sich auch selbst vor oder fragten mich über die deutsche Kultur und Geschichte aus. Grundsätzlich kann man die jüngeren Klassen ganz gut begeistern, die älteren sind dagegen etwas anspruchsvoller oder teilnahmsloser.

Neben meiner ersten Schulwoche kam am Donnerstag auch noch ein weiteres Ereignis hinzu: Julia hat mich für eine Woche in Cherbourg besucht :) Nachdem ich bisher immer deutsch und englisch gesprochen habe, war es sehr schön, mal wieder mit jemandem deutsch sprechen zu können. Nun, da sie weg ist, fällt mir jedoch auf, dass ich manchmal wieder leichte Verständnisprobleme mit dem Französischen habe. Ich verstehe zwar meistens, was man von mir will, kann mich aber manchmal nicht so gut selbst ausdrücken.

Julia und ich haben diese und die letzte Woche genutzt, um so viel wie möglich zu unternehmen und uns anzuschauen. Ich habe auch wieder angefangen zu joggen, da es hier wirklich unglaublich schöne Strecken gibt, die direkt am Meer liegen, wodurch man nebenbei noch einen sehr schönen Ausblick hat.

Ein Panorama-Ausschnitt unserer Joggingstrecke in Equerdreville, einem kleinen Ort in der Nähe von Cherbourg.
Diese Woche war der Blick sogar einmal ganz besonders gut, weil zu dem Zeitpunkt vor uns die Queen Mary 2 vom Hafen auslief. Das war ein sehr faszinierendes Ereignis, da das Schiff angeblich das letzte Mal vor zehn Jahren in Cherbourg angelegt hatte, wie Mireille mir erzählt hat. Aber auch davon abgesehen, war es ein sehr ungewohnter Ausblick, auf dem Hafen von Cherbourg mit den vielen kleinen Schiffen der Franzosen und Engländer so ein riesiges Passagierschiff zu sehen.

Die Queen Mary 2 beim Verlassen des Cherbourger Hafens. Am späteren Abend passierte sie die alten Befestigungsmauern.
Außerdem haben wir letzte Woche den Mont Saint Michel besucht, der ungefähr zwei Autostunden von Cherbourg entfernt liegt. Die Fahrt hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn schon allein der Ausblick auf das Kloster ist einfach unbeschreiblich.

Es war gerade Ebbe und man konnte entweder auf einem Fußweg oder über eine neue Brücke zum Kloster gehen. Die Bauarbeiten dauern wahrscheinlich noch bis 2105 an.

Rund um den Mont Saint Michel wurden auch geführte Wattwanderungen angeboten.

Nachdem wir uns fast alles angeschaut hatten und noch ein bisschen durch die engen Gassen bummelten, brach jedoch plötzlich ein unglaublicher Sturm aus, der mit einem leichten Nieselregen begann und sich schon nach kurzer Zeit zu einem flächendeckenden Platzregen entwickelte. Ich hatte zwar meinen kleinen Schirm dabei, aber langfristig war der keine große Hilfe, denn als wir nach einigen Minuten des Ausharrens aufbrechen wollten, wurden wir von dem Sturm praktisch überrollt. Wir rannten kreischend und lachend zurück zur Bushaltestelle, während der Regen von allen Seiten auf uns einpeitschte, uns nach vorn schleuderte und wieder zurückwarf. Irgendwann kamen wir im Auto an und waren bis dahin "trempé jusqu'aux os", also nass bis auf die Knochen. Das Wetter ist hier manchmal doch etwas unberechenbar.

Ein weiterer interessanter Ausflug war unser Besuch des Schlosses "Martinvast". Der Eintritt kostete 6€, aber da das Kassenhäuschen bei unserer Ankunft nicht besetzt war, wussten wir nicht, ob und wie wir den Eintritt überhaupt bezahlen sollten. Wir schauten uns weniger das Schloss an, das vielmehr ein kleines Schlösschen mit einer dazugehörigen verfallenen Ruine war, sondern spazierten durch den Schlossgarten, der auch eher verwildert als im englischen Stil angelegt war.

Blick auf das Schloss vom Schlossgarten
Der Garten war weitläufig, aber nicht immer gut gepflegt.
Nach einer halben Stunde wurden wir jedoch von einem sehr, sehr alten Mann mit auffällig langen Nasenhaaren abgefangen, der uns etwas ruppig die 12€ Eintritt abkassierte und unser Geld in einem beeindruckendem Portemonnaie verstaute, das mit geschätzt hundert 50-, 20- und 10-Euro-Scheinen sehr gut gefüllt war.
Uns war schon vor dem Schloss ein Schlüsselbund aufgefallen, der achtlos im Kies lag und das wahrscheinlich auch nicht erst seit kurzem. Es stellte sich beim Aufsammeln später heraus, dass man mit diesen Schlüsseln vermutlich durch das ganze Schloss flanieren konnte. Als wir ihn am Ende unserer Tour dem alten Herrn in seinem Büro zurückgaben (wir wussten schließlich nicht, wie lange er schon danach gesucht hatte, auch wenn die Aussicht auf einen neuen Zweitwohnsitz sehr verlockend war), reagierte er plötzlich ganz anders auf uns, war freundlich, bedankte sich mehrmals und lud uns ein, jederzeit wiederzukommen.

Am 9. Oktober musste ich auch wieder sehr früh meiner zweiten Schule, die direkt im Stadtzentrum liegt und mit dem Auto sehr gut erreichbar ist - wenn nicht gerade so ein Stau herrscht, wie es an diesem Morgen der Fall war, denn einige Straßen waren aufgrund von Bauernabfällen gesperrt worden. Die Bauern protestierten an diesem Tag und um ihren Unmut Ausdruck zu verleihen, verteilten sie überall im Stadtzentrum ihre Gemüseabfälle. Dadurch kam ich fast zu spät und musste auch noch einen nicht sehr angenehmen Geruch ertragen. Dafür haben mir aber meine Schüler in der Klasse noch ein Geburtstagsständchen gesungen (auf deutsch!) und mir gratuliert. Julia musste leider gegen 11 Uhr mit dem Zug wieder zurück nach Deutschland, deswegen habe ich nach meiner letzten Unterrichtsstunde mit den anderen Assistenten am Abend meinen Geburtstag gefeiert. Mireille hatte mir ein gutes chinesisches Restaurant empfohlen, wo wir von Sam, dem Kellner, sehr freundlich bewirtet wurden. Für meinen Geburtstag gingen sogar ein paar Getränke und Frühlingsrollen aufs Haus und ich bekam sogar zum Abschied Sake in einem sehr interessantem Glas :)

Prost!
Der sehr andere Sake-Becher
In der nächsten Woche halte ich dann meine ersten richtigen Unterrichtsstunden, das heißt, ich muss mich nicht mehr vorstellen, sondern kann ein bestimmtes Thema mit den Schülern bearbeiten. Das ist dann auch schon die letzte Woche vor den Allerheiligen-Ferien, die in Frankreich zwei Wochen dauern und in der folgenden Woche fliege ich das erste Mal wieder zurück nach Deutschland. Ich hoffe, ich kann mir bis dahin noch ein paar weitere Sachen in der Normandie anschauen.

Bis dahin erstmal wieder liebe Grüße nach Deutschland und hoffentlich bis bald! :D
Au revoir!