Samstag, 7. März 2015

Schulleben und Alltag

Meine Lieben,

nachdem ich euch letzte Woche einen Einblick in meine Erlebnisse der ersten Monate den neuen Jahres gegeben habe, möchte ich heute damit fortfahren und euch daneben einige Details aus meinem ganz normalen Alltag an den französischen Schulen berichten.

Inzwischen hat sich bei mir eine gewisse Alltagsroutine entwickelt, an die ich mich sehr gut gewöhnen könnte: Ich arbeite an allen Schulen für jeweils vier Stunden, manchmal auch mit spontanen Änderungen im Stundenplan, zum Beispiel wenn ein Kinobesuch mit den Schülern auf dem Programm steht oder deutsche Schüler aus der Partnerstadt Bremerhaven zu Besuch kommen. Ersteres war im Oktober der Fall, als das deutsche Filmfestival in Cherbourg stattfand und ich mit sechs Klassen dreimal "Fack ju Göthe" und zweimal "Westen" angeschaut habe. Insgesamt wurden ungefähr zehn Filme gezeigt (in deutscher Originalsprache, aber mit französischen Untertiteln), aber die Auswahl an sich war eher mäßig - eben so, wie wir alle die deutschen Filmen kennen und hasslieben ;)
Die deutschen Schüler aus Bremerhaven sind momentan ein aktuelles Thema, denn sie sind gestern Abend am Bahnhof von Cherbourg angekommen. Heute mache ich mit ihnen und ihren französischen Partnern eine kleine Stadtführung durch Cherbourg und auch am Montag und Donnerstag bin ich auf ihren Ausflügen mit dabei. ich bin sehr gespannt, was die Deutschen so zu erzählen haben :D

Die rauen Küsten von Cherbourg
Aber auch der normale Schulalltag und das Unterrichten macht mir großen Spaß. Offiziell darf ich die Klassen zwar nicht alleine unterrichten - die jeweilige Tutorin und ich teilen die Klassen meistens auf zwei benachbarte Klassenzimmer auf und jeder übernimmt eine Hälfte oder wir gestalten den Unterricht gemeinsam - aber in der Praxis klappt das nicht immer. Letzte Woche war ich das erste Mal mit einer Klasse komplett alleine, die ich zudem noch gar nicht kannte (das dachte ich zumindest, bis mir die Schüler sagten, dass ich schon einmal ihren Unterricht besucht hätte ^^), aber gerade diese Herausforderung hat richtig Spaß gemacht und es war ein schönes Gefühl, auch komplexe Inhalte und grammatische Besonderheiten nach und nach erklären zu können. Dazu gehören zum Beispiel auch aktuelle Themen wie das traurige Attentat auf Charlie Hebdo und die darauf folgenden Reaktionen überall in der Welt. Ich habe mit vielen Klassen darüber gesprochen, einige Schüler wollten auch gerne darüber reden und an allen Schulen fanden einige Tage nach dem Anschlag gemeinsame Schweigeminuten statt. Außerdem gab es eine große Demonstration in der Cherbourger Innenstadt, an der meine Tutorin und ich und mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben. Die Anteilnahme war riesig, ebenso wie die Nachfrage auf die erste Ausgabe von Charlie Hebdo nach dem Anschlag. In Cherbourg dauerte es mehrere Tage, bis die ersten Auflagen in den Läden erschienen und diese waren meistens innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Schlangen vor den Zeitungsständen waren plötzlich kein ungewöhnliches Bild auf meinem Schulweg am frühen Morgen.

Auf der Demonstration vor dem Rathaus von Cherbourg
Dank meinen sehr netten Tutorinnen und den unermüdlichen Bemühungen meiner Gastfamilie, mir neue Wörter beizubringen aus der französischen Alltags- und Jugendsprache. Ich liebe zum Beispiel den Ausdruck: "C'est nickel!", was übersetzt bedeutet: "Das ist toll!" oder wenn man auf die Frage: "Quoi de neuf?" ("Was gibt's Neues?") antwortet mit: "Toujours la moitié de 18!" ("Neun (neuf) ist immer die Hälfte von achtzehn!"). Die Franzosen lieben solche Wortspiele ^^
Zum Glück habe ich neben meiner Gastfamilie auch eine sehr freundliche Tandempartnerin gefunden, die ebenfalls Lehrerin ist. Wir helfen uns gegenseitig, indem ich ihr von meinem Alltag auf Französisch erzähle und sie anschließend ihren Alltag auf Deutsch. Danach ergänzen oder korrigieren wir Fehler in der Grammatik. Ich finde es immer noch sehr süß, wenn Franzosen (vor allem meine Schüler) Deutsch sprechen, ihr Akzent hört sich sehr interessant an.

Die Abende verbringe ich meistens mit den anderen Assistenten in einer Bar oder einem Restaurant oder ich bleibe bei meiner Gastfamilie und wir diskutieren über die Politik, das aktuelle Zeitgeschehen oder unseren Alltag. Am Wochenende kommen die Töchter von Christian oft zum Abendessen vorbei und mit Stéphanie, die ungefähr in meinem Alter ist, gehe ich ab und zu ins Kino (was sehr praktisch ist, denn das befindet sich quasi im die Ecke).

Meine Gasteltern (mit Hündchen ^^) und ich
So, damit verabschiede ich mich erstmal wieder von euch und freue mich schon ehr darauf, euch in meinen (bald folgenden) Blogeinträgen von meiner großen Rundreise durch Frankreich zu berichten, die in den Februarferien auf dem Plan stand. Ich wünsche euch bis dahin noch eine schöne Zeit und genießt den kommenden Frühling.

Bisous,
Bianca

Mittwoch, 25. Februar 2015

Eine verspätete Rückmeldung

Hallo zusammen!

Nun möchte ich mich endlich mal wieder bei euch melden. Ich gebe zu, ich habe die Sache mit diesem Blog in den letzten zwei Monaten etwas schleifen lassen, weil ich die meiste Zeit mit anderen Dingen beschäftigt war und nur selten eine ruhige Minute zum Schreiben gefunden hatte. Und nun haben sich so viele neue Erfahrungen und Erlebnisse bei mir angesammelt, dass ich sie  gar nicht alle in einen Post packen kann, sondern sie euch lieber häppchenweise vorstelle, damit ihr euch nicht durch einen meterlangen Beitrag lesen müsst ;-)

Inzwischen bin ich seit fast fünf Monaten in Cherbourg und eine wundervolle und spannende Assistenzzeit neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Ich habe versucht, meine Tage hier zu gut wie möglich zu nutzen, damit ich mit vielen praktischen Erfahrungen aus dem Schulalltag, aber auch mit tollen Erinnerungen nach Deutschland zurückkommen kann. Das war einer meiner Vorsätze für das neue Jahr und ich bis jetzt bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis :)

Als ich Anfang Januar von meinen letzten Ferien in Deutschland wieder nach Cherbourg zurückgekehrt bin, ging direkt im Anschluss wieder die Schule los. ich war also die ersten Wochen wieder sehr damit beschäftigt, meinen Unterricht vorzubereiten, mündliche Prüfungen abzunehmen und an einem Schulausflug nach Caen teilzunehmen. Die Tage flogen nur so dahin, bis schließlich schon die Februarferien vor der Tür standen.

Impressionen aus Cherbourg
Der Hafen
Bis dahin habe ich meine freien Tage (also meistens das Wochenende) damit verbracht, herumzufahren und mir die nähere Umgebung anzuschauen. Zum Glück haben wir am Wochenende oft schönes Wetter, so dass man die Zeit für solche Ausflüge sehr gut nutzen kann. Den Sonntag verbringe ich meistens mit meiner Tutorin Ursula, ihrem Mann Gilbert und ihren drei Beaglen. Wir fahren dann, je nach Wetter, mit dem Auto zum Strand oder in den Wald, gehen für einige Stunden spazieren und plaudern über unsere Schüler, das Leben in der Normandie und natürlich die Beagles ;) Die letzten Male sind wir anschließend noch zu Gilbert Familie gefahren, die uns auf einen Tee mit Kuchen eingeladen und fröhlich miteinander geschwatzt haben. Ich fand es immer sehr angenehm dort, auch wenn die älteren Personen manchmal sehr schnell sprechen und deswegen nicht alles auf Anhieb verständlich ist.

Einsteigen, bitte :) 

Im Januar habe ich das erste Mal zwei tolle französische Traditionen kennen gelernt, die ich mir vielleicht in Deutschland übernehmen möchte: Die erste, das so genannte "Galette des Rois" wird am 6. Januar gefeiert (also am Dreikönigstag) und die Franzosen servieren anlässlich der heiligen drei Könige einen Kuchen aus Blätterteig, der entweder mit Mandelcreme oder mit Apfelstücken gefüllt ist. Mir persönlich gefällt die Variante mit Apfel besser, weil die Mandelcreme unglaublich süß ist und ich nie mehr als zwei kleine Stücken von dem Kuchen geschafft habe. Man kann das "Galette des Rois" selber backen oder auch beim Bäcker bestellen. Das besondere an diesem Dreikönigskuchen ist, dass in den Teig eine kleine Figur eingebacken wird. Der Jüngste am Tisch (das war meistens ich) darf auswählen, wer welches Stück vom Kuchen bekommt und derjenige, der die Figur in seinem Stück findet, bekommt eine Pappkrone aufgesetzt und ist das der König für den Abend. Das ist eine ganz lustige Spielerei in der Gesellschaft, mit der man erstmal im Mittelpunkt steht. Die Galettes, die man im Supermarkt kaufen kann, haben meistens sehr niedliche Figuren, zum Beispiel von Mickey Maus oder Asterix. Ich selbst bin auch einmal die Königin gewesen (ich habe mehrere Galettes mit unterschiedlichen Leuten gegessen).

Die zweite französische Tradition nennt sich "Chandeleur", was so viel bedeutet wie "Kerzenfest" und ebenfalls einen christlichen Ursprung hat. Es erinnert an die Erscheinung von Jesus und wird traditionell vierzig Tage nach Weihnachten gefeiert. Dieses Fest ist sehr nach meinem Geschmack, denn es werden ausschließlich Crêpes dafür serviert. Ende Januar gab es extra dafür eine Sonderabteilung im Supermarkt, wo man sich mit allen möglichen Marmeladen, Konfitüre, Nutella und sonstigen süßen Aufstrichen eindecken konnte, mit denen man die Crêpes belegen kann. Ich habe meine Crêpes ganz klassisch nur mit Zucker gegessen (Apfelmus ist hier nicht so verbreitet), aber ich habe auch die traditionelle Version gesehen, nämlich mit Zucker und Butter. Nun ja ... Wem's denn schmeckt ...

Was wollte ich sonst noch erzählen ... Ach ja, im Januar stand auch wieder ein etwas längerer Ausflug an, diesmal ging es nach Honfleur, eine wunderschöne, niedliche Hafenstadt, die ein bisschen an die Ostsee erinnert. Ich habe ein paar der anderen Assistenten mit dem Auto dorthin mitgenommen und so wurde es wirklich eine sehr unterhaltsame Reise. Danach waren wir noch in Trouville, die ungefähr auf dem Rückweg lag und uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ich fühle mich in der Normandie mit jedem tag heimischer und die ganze Umgebung, die beeindruckende Landschaft, die französischen Traditionen und die Menschen sind mir richtig ans Herz gewachsen. Aber vor allem das Meer werde ich in Deutschland sehr vermissen (und meine Joggingstrecke am Strand).

Das typische Straßenbild von Honfleur



In der letzten Ferienwoche stand dann noch eine Klassenfahrt auf dem Programm, es ging nach Caen, die Hauptstadt der Kasse-Normandie. Eigentlich hatten wir vorgehabt, das Mémorial de Caen und anschließend einen deutschen Soldatenfriedhof zu besichtigen, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, denn genau an diesem Tag schneite es in der Normandie (das erlebte ich zum ersten Mal!). Deswegen mussten wir uns auf einen Besuch des Museums beschränken und fuhren anschließend direkt zurück nach Cherbourg, aber es war trotzdem ein interessanter Ausflug. das Mémorial ist ein sehr großes Museum, das sich mit dem ersten und dem zweiten Weltkrieg befasst (und alle Angaben dort finden sich auf französisch, englisch und deutsch), so dass sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat. Carolina, die Assistentin aus Chile, hat uns ebenfalls begleitet und wir haben später zusammen mit den anderen Lehrern in der Caféteria einen Kaffee oder eine heiße Schokolade getrunken.

Der Hafen von Caen

Mémorial de Caen


So, das soll es für heute erstmal gewesen sein. Ich habe mir vorgenommen, euch in den nächsten Tagen noch ein wenig von meinem Schulalltag und meiner Gastfamilie zu berichten und dann gibt es mehrere kleine Berichte darüber, wie ich meine Winterferien in Frankreich verbracht habe. Die meisten von euch haben wahrscheinlich schon die Fotos auf Facebook gesehen, aber wer sich auch für die Hintergründe meiner Reise interessiert, kann gerne hier mal reinschnuppern.

Bisous et à très bientôt,
Bianca

Freitag, 19. Dezember 2014

La dernière semaine avant les vacances de Noël

Hallo zusammen,

dies wird vermutlich der letzte Post sein, den ich schreiben werde - zumindest im Jahr 2014. Morgen fliege ich für zwei Wochen wieder zurück nach Deutschland und obwohl ich in meinen ersten drei Monaten in Frankreich eine wirklich unglaublich schöne, spannende und interessante Zeit erlebt habe, freue ich mich dennoch sehr darauf, Weihnachten in der Heimat und mit meinen Liebsten verbringen zu können.

Die letzten beiden Wochen waren sehr ereignisreich gewesen und ich habe versucht, meine freie Zeit nach der Schule gut zu nutzen, um nicht nur meine Weihnachtseinkäufe zu erledigen, sondern um auch weiterhin das Land und seine Kultur besser kennen zu lernen.
Dafür bin ich, wie ihr bereits in meinem letzten Post erfahren habt, vor zwei Wochen nach Paris gefahren. Ich bin zwar schon einige Male dort gewesen, aber die Stadt in der Vorweihnachtszeit zu sehen, war ein ganz besonderes Erlebnis, das ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Ich habe zu Beginn meiner Zeit als Fremdsprachenassistentin bei der Infoveranstaltung für alle Assistenten in Caen eine sehr nette deutsche Assistentin kennen gelernt und wir haben beschlossen, zusammen mit drei anderen Mädchen, am Wochenende des 6. Dezember nach Paris zu fahren und die Stadt gemeinsam zu erkunden.

Als der Tag unserer Abfahrt endlich näher rückte, gab es am Abend vorher jedoch eine schlechte Nachricht: Ausgerechnet an dem Samstag, wo wir nach Paris fahren wollten, streikten die Zugfahrer in ganz Frankreich. Zum Glück stellte sich heraus, dass mein Zug um 7 Uhr nicht betroffen war, aber die anderen, die zusammen aus einer anderen Stadt anreisen wollten, mussten einen späteren Zug nehmen und kamen deswegen erst gegen 15 Uhr in Paris an.
Letztlich war das Ganze aber kein allzu großes Drama, denn als ich gegen 11 Uhr in Paris angekommen war, fand ich auf Anhieb genügend Möglichkeiten, um mir für die verbleibenden vier Stunden die Zeit zu vertreiben. Mein erstes Ziel führte mich natürlich zum Louvre (diesmal aber nur von außen, vor der gläsernen Pyramide), danach ging es weiter auf einen leckeren Crêpe in der Nähe des Eiffelturm am Champ du Mars, zu einer kleinen Kirche im Stadtzentrum und ein paar kleinere Spaziergänge. Wenn man das Metro-Netz in der Tasche hat, ist die Stadt auch gleich viel überschaubarer und man kommt sehr schnell von dem einen Ende der Stadt zum anderen.




Gegen 15 Uhr habe ich die anderen dann vom Bahnhof abgeholt und wir sind erstmal zusammen in unser Hostel gefahren. Es lag nicht weit vom Stadtzentrum entfernt , nur wenige Gehminuten bis zur Kathedrale Sacre Cœur, aber es war eine ziemliche Absteige, mit Zuhältern auf der Straße und anderen zwielichtigen Gestalten. Dafür wohnten viele Leute in der näheren Umgebung der unterschiedlichsten Nationalitäten, weswegen die ganze Umgebung sehr multikulturell angehaucht war.
Das Zimmer beinhaltete nur zwei Doppelstockbetten, einen Stuhl und ein Bad, allerdings ohne WC, das mussten wir uns mit den anderen Bewohnern der Etage teilen. Die Betten waren aber sauber (wenn auch das Kopfkissen seeehr unscheinbar war) und für eine Nacht reichte es vollkommen aus. Allerdings ging eines der Fenster nicht richtig zu und die Heizung funktionierte auch nicht, weswegen es am Abend bitterkalt im Zimmer war und ich meinen Pulli angelassen und mir noch meine Jacke über die Bettdecke gelegt habe. Mitten in der Nacht klopfte es dann aber an der Tür und einer der Angestellten des Hostels brachte unsere Heizung halbwegs zum Laufen, aber das habe ich nur im Halbschlaf mitbekommen ;)

Unser Zimmer für eine Nacht
Nun aber zum eigentlichen Grund unserer Reise, der natürlich nicht darin bestand, ein Hostel zu testen, sondern zusammen Paris zu erkunden. Wir haben die beiden Tage komplett genutzt, waren in der Galerie Lafayette, den gerühmten Einkaufszentrum, haben den glitzernden und leuchtenden Eiffelturm bei Nacht gesehen und unter anderem Notre Dame, Sacre Cœur, den Jardin du Luxembourg, das Institut du Monde arabe und einige andere Sehenswürdigkeiten abgeschaut, die ich hier gar nicht alle aufzählen, sondern lieber ein paar Fotos zeigen möchte.

Auf der Dachterrasse der Galerie Lafayette
Vor Notre Dame de Paris (für die Unwissenden: Es gibt in fast jeder Stadt eine Notre Dame ^^ )
Die unglaubliche Dekoration und gleichzeitig Touristenmagnet der Galerie Lafayette
Blick auf Paris von Sacre Cœur
L'institut du monde arabe
Am Sonntag waren wir außerdem in einem sehr netten und leckeren koreanischen Restaurant essen und haben die beiden Abende natürlich damit verbracht, über den Pariser Weihnachtsmarkt zu schlendern. Dieser lässt sich kaum mit dem deutschen Weihnachtsmarkt vergleichen, es gibt viel Kleinkram zu kaufen, den man eigentlich gar nicht braucht, aber dafür auch sehr guten Glühwein, kandierte Äpfel, Zuckerwatte und Crêpes.


Der Weihnachtsmarkt von Champ Elysée

Arc de Triomphe
Printemps (ebenfalls ein sehr großes Kaufhaus in Paris)
Das war die Kurzfassung eines sehr schönen Wochenendes in Paris, das mit vielen Impressionen gefüllt war. Ich weiß noch nicht genau, ob ich während meines Aufenthaltes noch einmal nach Paris fahren werde, da es eigentlich immer etwas gibt, was man sich anschauen kann. Allerdings ist Frankreich auch sehr groß und es gibt noch viele andere Städte, die ich mir ebenfalls gern einmal anschauen möchte.

Ansonsten war meine letzte Schulwoche vor den Ferien relativ entspannt und nicht ganz so stressig wie die Wochen davor. Am Mittwochabend habe ich mich mit den anderen Assistenten in Cherbourg getroffen und mit ihnen zusammen ein kleines Weihnachtsfest gefeiert. Drei der Assistenten wohnen zusammen im Studentenwohnheim meiner Stammschule und da wir alle aus anderen Ländern kommen, hat jeder eine Spezialität aus seinem Land mitgebracht. Dazu gab es natürlich Baguette und Käse und leckere Desserts. Abschließend folgte noch die Bescherung unter uns und es war ein richtig netter Abend unter tollen Menschen :)



Neugieriges Geschenke-Auspacken ^^
Theo war für mein Geschenk verantwortlich und hat sich sehr gefreut, dass er damit genau meinen Geschmack getroffen hat. Er hat sich sehr viele Gedanken gemacht und ich war richtig gerührt, wie viel Mühe er in sein Geschenk gesteckt hat :D
Abschluss-Posing
Die Schüler waren in der letzten Woche schon sehr in Ferienstimmung, weswegen mit einigen Klassen nicht mehr so viel anzufangen war. Mit den meisten Klassen redete ich über Weihnachten in Deutschland, machte kleine Spiele und stellte ihnen ein paar Weihnachtstraditionen aus dem Erzgebirge vor. Das kam bei einigen Klassen richtig gut an, manche waren nicht so richtig zu motivieren, deshalb habe ich mit ihnen etwas anderes gemacht. Ich bin sehr stolz gewesen auf meine zwei Lieblingsklassen an meiner Stammschule, die sehr gut mitgearbeitet und auch viel gelernt haben. In einer dritten Schule war eine Klasse sogar besonders interessiert, weil sie gerade einen zweiwöchigen Aufenthalt aus Deutschland hinter sich hatten und viele der Dinge, die ich ihnen erzählte, schon selbst auf dem Weihnachtsmarkt dort gesehen hatten.

Mit dem Französisch lief es diese Woche leider eher mäßig, auch mit dem Englisch, was ich manchmal noch mit den anderen Assistenten spreche, die aus England, Irland und den USA kommen. ich war häufig unkonzentriert oder war zu sehr damit beschäftigt, keine Fehler zu machen, dass mir die Aussprache schwerer gefallen ist. Es wäre besser, wenn ich auch in der Schule häufiger Französisch sprechen könnte, aber leider kommt durch den Deutschunterricht immer wieder das Deutsche durch. Es sind schon drei Monate vergangen, seit ich in Frankreich bin und es dauert mir viel zu lange, bis ich etwas Neues dazu gelernt habe. Das versuche ich nun, in Zukunft zu ändern und mich auch in den Ferien weiterhin mit dem Französischen zu beschäftigen, um den Faden nicht zu verlieren.

Doch nun wünsche ich euch allen eine schöne Weihnachtszeit, einen fleißigen Weihnachtsmann und einen guten Rutsch ins neue Jahr :D

Bisous et à bientôt,
Bianca

Sonntag, 30. November 2014

Der französische Alltag

Heute ist Sonntag und es ist ein sehr ruhiger, angenehmer Tag. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet nicht und auch ansonsten herrscht fast vollkommene Stille. Sogar die Möwen, die ich sonst fast jeden Morgen höre, wie sie kreischend über die Dächer ziehen, halten sich heute zurück. Bis auf eine, die sich eben wie auf Kommando kurz zu Wort gemeldet hat.

In Cherbourg zieht langsam Weihnachtsstimmung ein, aber sie ist nicht so aufdringlich und konsumbehaftet wie in Deutschland. Der Verkauf von Weihnachtartikeln begann erst Mitte November und vorher konnte man nur vereinzelt in einigen Möbelgeschäften Weihnachtsbaumkugeln bewundern. Ich finde das viel angenehmer, als die verzweifelten Versuche der deutschen Märkte, eine Festtagsstimmung herbeizuführen.

Im Gegensatz zu der entspannten Stimmung in der Stadt gibt es für mich an den Wochentagen viel zu tun und vorzubereiten, weswegen ich meistens den Freitagnachmittag und den Samstag nutze, um irgendetwas zu unternehmen. Letzten Sonntag war ich in Saint-Lô, eine kleine Stadt wie Cherbourg im Landesinneren der Normandie, in der man sehr gut spazieren gehen und Weihnachtseinkäufe erledigen kann. Und anders als in Rennes, wo ich die Woche davor war, sind die Parkplätze dort kostenlos und bezahlt nicht 0,50€ für 15 Minuten Parken.

Die Straßen von Rennes 
 Saint-Lô hat mir sehr gut gefallen, es gibt eine große Kathedrale und eine kleine Abtei sowie einige langgezogene Gärten, an die sich hohe Mauern anschließen, die durch die ganze Stadt verlaufen, Dadurch sieht man viele Teile der Stadt von oben und kann bei gutem Wetter noch weiter auf die umliegenden kleinen Dörfer in der Normandie schauen. Saint-Lô gehört zu den Städten, die während des 2. Weltkrieges fast vollständig zerstört worden waren, doch im Laufe der Zeit hat sich die Stadt gut entwickelt und vieles wurde wieder aufgebaut oder rekonstruiert.

Blick auf die Innenstadt

Die Gärten von Saint-Lô
Die große Pferdezucht in Saint-Lô - Leider im Winter geschlossen
An diesem Wochenende habe ich keinen längeren Ausflug gemacht, sondern nur ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt und mir die Stadt nochmal von oben angeschaut, weil das Wetter am Morgen sehr gut war.

Cherbourg von oben



Auch wenn das Benzin in Cherbourg im Vergleich zu Deutschland unglaublich günstig ist (das letzte Mal waren 1,39€ pro Liter), geht trotzdem immer etwas Geld dafür weg, wenn ich eine Stadt besuchen möchte, die fast zwei Stunden von Cherbourg entfernt liegt.
Mein nächster Ausflug beginnt nächsten Samstag und dauert diesmal sogar bis zum Sonntag, denn da geht es (endlich) nach Paris und zwar mit dem Zug (mit dem Auto nach Paris zu fahren wäre blanker Wahnsinn). Ich treffe mich dort am Samstag mit ein paar anderen Assistenten (darunter auch eine Deutsche) und am Sonntag mit einem Freund der Familie, der in Paris wohnt. Wir haben auch zusammen ein sehr günstiges Hostel im Zentrum gefunden und ich hoffe, dass es ein schönes Erlebnis wird. Es wäre auch das erste Mal, dass ich Paris in der Weihnachtszeit sehen kann, da wird viel dekoriert und geschmückt, vor allem am Champs-Elysée.

Der gestrige Abend war auch sehr schön. Mireille und Christian haben die beiden Töchter von Christian zum Abendessen eingeladen und dazu noch die Cousins mit ihren Partnern. Mireille hat sehr viel vorbereitet für dieses Abendessen wund es hat wie immer wunderbar geschmeckt. Es war anfangs etwas schwierig, sich an die Dauer eines typisch französischen Abendessens zu gewöhnen, aber inzwischen erwarte ich in meiner Gastfamilie schon gar nicht mehr, dass das Essen vor ein Uhr morgens zu Ende sein wird.
Im Grunde sieht es so aus: Um 20 Uhr gibt es das Aperitif in Form von Champagner und Whiskey, dazu selbstgemachte Snacks. Um 22 Uhr geht man dann zur Vorspeise über dazu gab es Weißwein und natürlich immerzu Baguette, um die Soßenreste damit vom Teller zu wischen. Zwischendurch ergattert auch mal Aloha ein Stück Fleisch von den Resten, die ein richtiger Gourmet sein kann.
Um 22:30 Uhr folgt dann direkt der Hauptgang, mit Rotwein und dem klassischen Cidre und um 23:30 gibt es zum Abschluss noch eine große Käseplatte mit mindestens fünf verschiedenen Sorten aus der Region, dazu wieder eine andere Sorte Rotwein. Und schließlich, zwischen 24 Uhr und 1 Uhr wird dann das Dessert gereicht, manchmal auch erst um 2 Uhr. Das bestand gestern übrigens aus Panna Cotta und hat sehr, sehr lecker geschmeckt :)
Von den gestrigen Gesprächen habe ich allerdings nicht allzu viel verstanden, weil die meisten Gäste sehr schnell gesprochen haben (dazu neigen die Franzosen generell, wenn sie getrunken haben), aber es war trotzdem eine gute Übung, es zumindest zu versuchen.

Ich hoffe, dass ich euch das nächste Mal ausführlicher von meinen Erlebnissen in Paris berichten kann und wünsche euch allein eine schöne Vorweihnachtszeit.

Bisous et à bientôt,
Bianca

Sonntag, 16. November 2014

Neuigkeiten aus Frankreich

Eine Weile habe ich schon nichts mehr von mir hören lassen, deswegen gibt es heute wieder ein paar Neuigkeiten von meinem Leben und Alltag in Frankreich.

Nachdem ich die ersten Ferientage dafür genutzt habe, um mir Cherbourg und die nähere Umgebung in der Normandie etwas genauer anzuschauen, bin ich Ende Oktober für eine Woche zurück nach Deutschland geflogen. Es war ein bisschen ungewohnt, wieder in Leipzig zu sein und das auch nur für so kurze Zeit, aber ich habe meine Ferien auf jeden Fall sehr genossen. Und gleichzeitig war es sehr schön, am 1. November wieder in Cherbourg anzukommen und mich wieder auf die Schule und das Unterrichten zu konzentrieren.

Cherbourg bei Nacht
Inzwischen sind zwei Schulwochen vergangen und langsam kann ich mich auch viel besser auf meine Schüler einstellen und versuche Material und Übungen bereitzustellen, die ihrem momentanen Lernstand entsprechen. Besonders bei den kleinen Klassen klappt das ganz gut, bei den größeren und älteren Schülern ist es manchmal schwierig, etwas zu finden, was sie auch interessiert. Die meisten Klassen habe ich zwar danach gefragt, aber sie wussten selbst nicht, ob sie lieber über die deutsche Kultur, Geschichte oder Literatur sprechen wollten. Ich versuche jetzt, ihnen einen Einblick zu vermitteln und schaue mir dann die Ergebnisse an, um darauf meinen weiteren Unterricht aufzubauen.

Die nächste Schulwoche wird zum Glück weniger theoretisch, denn in Cherbourg findet gerade das deutsche Filmfestival statt und ich gehe fast die ganze Woche über mit meinen Tutorinnen und den Klassen ins Kino. Leider ist die Auswahl der Filme nicht so berauschend (was bei deutschen Filmen aber schließlich generell der Fall ist). Der einzige Film, der sich ein bisschen hervorhebt ist Fack ju Göhte, ansonsten ist es meistens das bekannte Thema des Krieges und der deutschen Teilung. Trotzdem ist es schön, zur Abwechslung mal etwas anderes mit den Schülern zu machen und eine andere Perspektive des Schulalltags kennen zu lernen.

Mit einer meiner Tutorinnen treffe ich mich oft am Wochenende, um zusammen mit ihren Beagles spazieren zu gehen. Das Wetter hält sich bis jetzt ganz gut, deswegen gehen wir oft am Meer entlang und unterhalten uns über die letzte Schulwoche und was für die nächste Woche geplant ist.

Unsere Sonntagsspaziergänge mit den Beagles führen direkt am Meer entlang. Die Hunde lieben das Wasser (auch wenn es hier nicht danach aussieht).

Außerdem hat sie mich einmal mitgenommen, um mir die Gegend zu zeigen. Sie ist wirklich sehr nett und hat mir schon viele Tipps für meinen Aufenthalt hier gegeben.

Das kleinste Rathaus in Frankreich ^^
Eine andere Tutorin lädt mich öfters zum Abendessen ein und da sie keine deutsche Muttersprachlerin ist, interessiert sie sich sehr für deutsche Literatur und die Sprache im Allgemeinen, deswegen diskutieren wir beim Abendessen oft darüber.

Aber auch meine Freizeit versuche ich weiterhin sehr gut zu nutzen. Gestern habe ich einen Ausflug nach Rennes gemacht, die Fahrt dauerte über zwei Stunden, aber das war es auch jeden Fall wert, denn es ist eine sehr schöne Stadt. Sie erinnert ein wenig an Leipzig, da es auch sehr kulturell gefärbt ist und lebendig ist. Jeden Samstag findet dort der zweitgrößte Wochenmarkt in Frankreich statt und all die Stände mit Obst und Gemüse, Fleisch, Fischen, Krabben, Garnelen, Muscheln, Käse, Gewürzen, Honig, Marmelade und Brot zu sehen war auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Rennes - Das Stadtzentrum 
Abtei Sainte-Melanie
Außerdem habe ich das Cap de la Hague besucht, eine sehr stürmische und felsige Küste im Norden, von der man einen schönen Blick auf das Meer hat und sogar einige der angrenzenden Inseln sehen kann. Einen Leuchtturm gibt es doch auch, aber anders als der von Gatteville, den ich mit Julia besucht habe (und der leider an dem Tag nicht geöffnet war, weil es zu stürmisch war), kann man diesen am Cap de la Hague nicht besichtigen.

Das raue Klima am Cap de la Hague
Ein schönes Ereignis der letzten Woche war schließlich noch der Geburtstag eines englischen Assistentin, den wir alle zusammen im Restaurant gefeiert haben. Es war ein lustiger Abend und auch das Essen hat sehr gut geschmeckt.


Ansonsten arbeite ich weiterhin daran, dass mein Französisch langsam besser wird, lerne Vokabeln und Grammatik, lese französische Bücher (meine Tutorin hat mir welche geliehen) und versuche, mich so oft wie möglich mit meiner Gastfamilie zu unterhalten. Da hier auch oft Freunde zu Besuch sind, gibt es zum Glück ständig neue Rede-Anlässe :)

Viele liebe Grüße und bis bald!
Bisous,
Bianca