Sonntag, 30. November 2014

Der französische Alltag

Heute ist Sonntag und es ist ein sehr ruhiger, angenehmer Tag. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet nicht und auch ansonsten herrscht fast vollkommene Stille. Sogar die Möwen, die ich sonst fast jeden Morgen höre, wie sie kreischend über die Dächer ziehen, halten sich heute zurück. Bis auf eine, die sich eben wie auf Kommando kurz zu Wort gemeldet hat.

In Cherbourg zieht langsam Weihnachtsstimmung ein, aber sie ist nicht so aufdringlich und konsumbehaftet wie in Deutschland. Der Verkauf von Weihnachtartikeln begann erst Mitte November und vorher konnte man nur vereinzelt in einigen Möbelgeschäften Weihnachtsbaumkugeln bewundern. Ich finde das viel angenehmer, als die verzweifelten Versuche der deutschen Märkte, eine Festtagsstimmung herbeizuführen.

Im Gegensatz zu der entspannten Stimmung in der Stadt gibt es für mich an den Wochentagen viel zu tun und vorzubereiten, weswegen ich meistens den Freitagnachmittag und den Samstag nutze, um irgendetwas zu unternehmen. Letzten Sonntag war ich in Saint-Lô, eine kleine Stadt wie Cherbourg im Landesinneren der Normandie, in der man sehr gut spazieren gehen und Weihnachtseinkäufe erledigen kann. Und anders als in Rennes, wo ich die Woche davor war, sind die Parkplätze dort kostenlos und bezahlt nicht 0,50€ für 15 Minuten Parken.

Die Straßen von Rennes 
 Saint-Lô hat mir sehr gut gefallen, es gibt eine große Kathedrale und eine kleine Abtei sowie einige langgezogene Gärten, an die sich hohe Mauern anschließen, die durch die ganze Stadt verlaufen, Dadurch sieht man viele Teile der Stadt von oben und kann bei gutem Wetter noch weiter auf die umliegenden kleinen Dörfer in der Normandie schauen. Saint-Lô gehört zu den Städten, die während des 2. Weltkrieges fast vollständig zerstört worden waren, doch im Laufe der Zeit hat sich die Stadt gut entwickelt und vieles wurde wieder aufgebaut oder rekonstruiert.

Blick auf die Innenstadt

Die Gärten von Saint-Lô
Die große Pferdezucht in Saint-Lô - Leider im Winter geschlossen
An diesem Wochenende habe ich keinen längeren Ausflug gemacht, sondern nur ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt und mir die Stadt nochmal von oben angeschaut, weil das Wetter am Morgen sehr gut war.

Cherbourg von oben



Auch wenn das Benzin in Cherbourg im Vergleich zu Deutschland unglaublich günstig ist (das letzte Mal waren 1,39€ pro Liter), geht trotzdem immer etwas Geld dafür weg, wenn ich eine Stadt besuchen möchte, die fast zwei Stunden von Cherbourg entfernt liegt.
Mein nächster Ausflug beginnt nächsten Samstag und dauert diesmal sogar bis zum Sonntag, denn da geht es (endlich) nach Paris und zwar mit dem Zug (mit dem Auto nach Paris zu fahren wäre blanker Wahnsinn). Ich treffe mich dort am Samstag mit ein paar anderen Assistenten (darunter auch eine Deutsche) und am Sonntag mit einem Freund der Familie, der in Paris wohnt. Wir haben auch zusammen ein sehr günstiges Hostel im Zentrum gefunden und ich hoffe, dass es ein schönes Erlebnis wird. Es wäre auch das erste Mal, dass ich Paris in der Weihnachtszeit sehen kann, da wird viel dekoriert und geschmückt, vor allem am Champs-Elysée.

Der gestrige Abend war auch sehr schön. Mireille und Christian haben die beiden Töchter von Christian zum Abendessen eingeladen und dazu noch die Cousins mit ihren Partnern. Mireille hat sehr viel vorbereitet für dieses Abendessen wund es hat wie immer wunderbar geschmeckt. Es war anfangs etwas schwierig, sich an die Dauer eines typisch französischen Abendessens zu gewöhnen, aber inzwischen erwarte ich in meiner Gastfamilie schon gar nicht mehr, dass das Essen vor ein Uhr morgens zu Ende sein wird.
Im Grunde sieht es so aus: Um 20 Uhr gibt es das Aperitif in Form von Champagner und Whiskey, dazu selbstgemachte Snacks. Um 22 Uhr geht man dann zur Vorspeise über dazu gab es Weißwein und natürlich immerzu Baguette, um die Soßenreste damit vom Teller zu wischen. Zwischendurch ergattert auch mal Aloha ein Stück Fleisch von den Resten, die ein richtiger Gourmet sein kann.
Um 22:30 Uhr folgt dann direkt der Hauptgang, mit Rotwein und dem klassischen Cidre und um 23:30 gibt es zum Abschluss noch eine große Käseplatte mit mindestens fünf verschiedenen Sorten aus der Region, dazu wieder eine andere Sorte Rotwein. Und schließlich, zwischen 24 Uhr und 1 Uhr wird dann das Dessert gereicht, manchmal auch erst um 2 Uhr. Das bestand gestern übrigens aus Panna Cotta und hat sehr, sehr lecker geschmeckt :)
Von den gestrigen Gesprächen habe ich allerdings nicht allzu viel verstanden, weil die meisten Gäste sehr schnell gesprochen haben (dazu neigen die Franzosen generell, wenn sie getrunken haben), aber es war trotzdem eine gute Übung, es zumindest zu versuchen.

Ich hoffe, dass ich euch das nächste Mal ausführlicher von meinen Erlebnissen in Paris berichten kann und wünsche euch allein eine schöne Vorweihnachtszeit.

Bisous et à bientôt,
Bianca

Sonntag, 16. November 2014

Neuigkeiten aus Frankreich

Eine Weile habe ich schon nichts mehr von mir hören lassen, deswegen gibt es heute wieder ein paar Neuigkeiten von meinem Leben und Alltag in Frankreich.

Nachdem ich die ersten Ferientage dafür genutzt habe, um mir Cherbourg und die nähere Umgebung in der Normandie etwas genauer anzuschauen, bin ich Ende Oktober für eine Woche zurück nach Deutschland geflogen. Es war ein bisschen ungewohnt, wieder in Leipzig zu sein und das auch nur für so kurze Zeit, aber ich habe meine Ferien auf jeden Fall sehr genossen. Und gleichzeitig war es sehr schön, am 1. November wieder in Cherbourg anzukommen und mich wieder auf die Schule und das Unterrichten zu konzentrieren.

Cherbourg bei Nacht
Inzwischen sind zwei Schulwochen vergangen und langsam kann ich mich auch viel besser auf meine Schüler einstellen und versuche Material und Übungen bereitzustellen, die ihrem momentanen Lernstand entsprechen. Besonders bei den kleinen Klassen klappt das ganz gut, bei den größeren und älteren Schülern ist es manchmal schwierig, etwas zu finden, was sie auch interessiert. Die meisten Klassen habe ich zwar danach gefragt, aber sie wussten selbst nicht, ob sie lieber über die deutsche Kultur, Geschichte oder Literatur sprechen wollten. Ich versuche jetzt, ihnen einen Einblick zu vermitteln und schaue mir dann die Ergebnisse an, um darauf meinen weiteren Unterricht aufzubauen.

Die nächste Schulwoche wird zum Glück weniger theoretisch, denn in Cherbourg findet gerade das deutsche Filmfestival statt und ich gehe fast die ganze Woche über mit meinen Tutorinnen und den Klassen ins Kino. Leider ist die Auswahl der Filme nicht so berauschend (was bei deutschen Filmen aber schließlich generell der Fall ist). Der einzige Film, der sich ein bisschen hervorhebt ist Fack ju Göhte, ansonsten ist es meistens das bekannte Thema des Krieges und der deutschen Teilung. Trotzdem ist es schön, zur Abwechslung mal etwas anderes mit den Schülern zu machen und eine andere Perspektive des Schulalltags kennen zu lernen.

Mit einer meiner Tutorinnen treffe ich mich oft am Wochenende, um zusammen mit ihren Beagles spazieren zu gehen. Das Wetter hält sich bis jetzt ganz gut, deswegen gehen wir oft am Meer entlang und unterhalten uns über die letzte Schulwoche und was für die nächste Woche geplant ist.

Unsere Sonntagsspaziergänge mit den Beagles führen direkt am Meer entlang. Die Hunde lieben das Wasser (auch wenn es hier nicht danach aussieht).

Außerdem hat sie mich einmal mitgenommen, um mir die Gegend zu zeigen. Sie ist wirklich sehr nett und hat mir schon viele Tipps für meinen Aufenthalt hier gegeben.

Das kleinste Rathaus in Frankreich ^^
Eine andere Tutorin lädt mich öfters zum Abendessen ein und da sie keine deutsche Muttersprachlerin ist, interessiert sie sich sehr für deutsche Literatur und die Sprache im Allgemeinen, deswegen diskutieren wir beim Abendessen oft darüber.

Aber auch meine Freizeit versuche ich weiterhin sehr gut zu nutzen. Gestern habe ich einen Ausflug nach Rennes gemacht, die Fahrt dauerte über zwei Stunden, aber das war es auch jeden Fall wert, denn es ist eine sehr schöne Stadt. Sie erinnert ein wenig an Leipzig, da es auch sehr kulturell gefärbt ist und lebendig ist. Jeden Samstag findet dort der zweitgrößte Wochenmarkt in Frankreich statt und all die Stände mit Obst und Gemüse, Fleisch, Fischen, Krabben, Garnelen, Muscheln, Käse, Gewürzen, Honig, Marmelade und Brot zu sehen war auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Rennes - Das Stadtzentrum 
Abtei Sainte-Melanie
Außerdem habe ich das Cap de la Hague besucht, eine sehr stürmische und felsige Küste im Norden, von der man einen schönen Blick auf das Meer hat und sogar einige der angrenzenden Inseln sehen kann. Einen Leuchtturm gibt es doch auch, aber anders als der von Gatteville, den ich mit Julia besucht habe (und der leider an dem Tag nicht geöffnet war, weil es zu stürmisch war), kann man diesen am Cap de la Hague nicht besichtigen.

Das raue Klima am Cap de la Hague
Ein schönes Ereignis der letzten Woche war schließlich noch der Geburtstag eines englischen Assistentin, den wir alle zusammen im Restaurant gefeiert haben. Es war ein lustiger Abend und auch das Essen hat sehr gut geschmeckt.


Ansonsten arbeite ich weiterhin daran, dass mein Französisch langsam besser wird, lerne Vokabeln und Grammatik, lese französische Bücher (meine Tutorin hat mir welche geliehen) und versuche, mich so oft wie möglich mit meiner Gastfamilie zu unterhalten. Da hier auch oft Freunde zu Besuch sind, gibt es zum Glück ständig neue Rede-Anlässe :)

Viele liebe Grüße und bis bald!
Bisous,
Bianca