Samstag, 7. März 2015

Schulleben und Alltag

Meine Lieben,

nachdem ich euch letzte Woche einen Einblick in meine Erlebnisse der ersten Monate den neuen Jahres gegeben habe, möchte ich heute damit fortfahren und euch daneben einige Details aus meinem ganz normalen Alltag an den französischen Schulen berichten.

Inzwischen hat sich bei mir eine gewisse Alltagsroutine entwickelt, an die ich mich sehr gut gewöhnen könnte: Ich arbeite an allen Schulen für jeweils vier Stunden, manchmal auch mit spontanen Änderungen im Stundenplan, zum Beispiel wenn ein Kinobesuch mit den Schülern auf dem Programm steht oder deutsche Schüler aus der Partnerstadt Bremerhaven zu Besuch kommen. Ersteres war im Oktober der Fall, als das deutsche Filmfestival in Cherbourg stattfand und ich mit sechs Klassen dreimal "Fack ju Göthe" und zweimal "Westen" angeschaut habe. Insgesamt wurden ungefähr zehn Filme gezeigt (in deutscher Originalsprache, aber mit französischen Untertiteln), aber die Auswahl an sich war eher mäßig - eben so, wie wir alle die deutschen Filmen kennen und hasslieben ;)
Die deutschen Schüler aus Bremerhaven sind momentan ein aktuelles Thema, denn sie sind gestern Abend am Bahnhof von Cherbourg angekommen. Heute mache ich mit ihnen und ihren französischen Partnern eine kleine Stadtführung durch Cherbourg und auch am Montag und Donnerstag bin ich auf ihren Ausflügen mit dabei. ich bin sehr gespannt, was die Deutschen so zu erzählen haben :D

Die rauen Küsten von Cherbourg
Aber auch der normale Schulalltag und das Unterrichten macht mir großen Spaß. Offiziell darf ich die Klassen zwar nicht alleine unterrichten - die jeweilige Tutorin und ich teilen die Klassen meistens auf zwei benachbarte Klassenzimmer auf und jeder übernimmt eine Hälfte oder wir gestalten den Unterricht gemeinsam - aber in der Praxis klappt das nicht immer. Letzte Woche war ich das erste Mal mit einer Klasse komplett alleine, die ich zudem noch gar nicht kannte (das dachte ich zumindest, bis mir die Schüler sagten, dass ich schon einmal ihren Unterricht besucht hätte ^^), aber gerade diese Herausforderung hat richtig Spaß gemacht und es war ein schönes Gefühl, auch komplexe Inhalte und grammatische Besonderheiten nach und nach erklären zu können. Dazu gehören zum Beispiel auch aktuelle Themen wie das traurige Attentat auf Charlie Hebdo und die darauf folgenden Reaktionen überall in der Welt. Ich habe mit vielen Klassen darüber gesprochen, einige Schüler wollten auch gerne darüber reden und an allen Schulen fanden einige Tage nach dem Anschlag gemeinsame Schweigeminuten statt. Außerdem gab es eine große Demonstration in der Cherbourger Innenstadt, an der meine Tutorin und ich und mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben. Die Anteilnahme war riesig, ebenso wie die Nachfrage auf die erste Ausgabe von Charlie Hebdo nach dem Anschlag. In Cherbourg dauerte es mehrere Tage, bis die ersten Auflagen in den Läden erschienen und diese waren meistens innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Schlangen vor den Zeitungsständen waren plötzlich kein ungewöhnliches Bild auf meinem Schulweg am frühen Morgen.

Auf der Demonstration vor dem Rathaus von Cherbourg
Dank meinen sehr netten Tutorinnen und den unermüdlichen Bemühungen meiner Gastfamilie, mir neue Wörter beizubringen aus der französischen Alltags- und Jugendsprache. Ich liebe zum Beispiel den Ausdruck: "C'est nickel!", was übersetzt bedeutet: "Das ist toll!" oder wenn man auf die Frage: "Quoi de neuf?" ("Was gibt's Neues?") antwortet mit: "Toujours la moitié de 18!" ("Neun (neuf) ist immer die Hälfte von achtzehn!"). Die Franzosen lieben solche Wortspiele ^^
Zum Glück habe ich neben meiner Gastfamilie auch eine sehr freundliche Tandempartnerin gefunden, die ebenfalls Lehrerin ist. Wir helfen uns gegenseitig, indem ich ihr von meinem Alltag auf Französisch erzähle und sie anschließend ihren Alltag auf Deutsch. Danach ergänzen oder korrigieren wir Fehler in der Grammatik. Ich finde es immer noch sehr süß, wenn Franzosen (vor allem meine Schüler) Deutsch sprechen, ihr Akzent hört sich sehr interessant an.

Die Abende verbringe ich meistens mit den anderen Assistenten in einer Bar oder einem Restaurant oder ich bleibe bei meiner Gastfamilie und wir diskutieren über die Politik, das aktuelle Zeitgeschehen oder unseren Alltag. Am Wochenende kommen die Töchter von Christian oft zum Abendessen vorbei und mit Stéphanie, die ungefähr in meinem Alter ist, gehe ich ab und zu ins Kino (was sehr praktisch ist, denn das befindet sich quasi im die Ecke).

Meine Gasteltern (mit Hündchen ^^) und ich
So, damit verabschiede ich mich erstmal wieder von euch und freue mich schon ehr darauf, euch in meinen (bald folgenden) Blogeinträgen von meiner großen Rundreise durch Frankreich zu berichten, die in den Februarferien auf dem Plan stand. Ich wünsche euch bis dahin noch eine schöne Zeit und genießt den kommenden Frühling.

Bisous,
Bianca

Mittwoch, 25. Februar 2015

Eine verspätete Rückmeldung

Hallo zusammen!

Nun möchte ich mich endlich mal wieder bei euch melden. Ich gebe zu, ich habe die Sache mit diesem Blog in den letzten zwei Monaten etwas schleifen lassen, weil ich die meiste Zeit mit anderen Dingen beschäftigt war und nur selten eine ruhige Minute zum Schreiben gefunden hatte. Und nun haben sich so viele neue Erfahrungen und Erlebnisse bei mir angesammelt, dass ich sie  gar nicht alle in einen Post packen kann, sondern sie euch lieber häppchenweise vorstelle, damit ihr euch nicht durch einen meterlangen Beitrag lesen müsst ;-)

Inzwischen bin ich seit fast fünf Monaten in Cherbourg und eine wundervolle und spannende Assistenzzeit neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Ich habe versucht, meine Tage hier zu gut wie möglich zu nutzen, damit ich mit vielen praktischen Erfahrungen aus dem Schulalltag, aber auch mit tollen Erinnerungen nach Deutschland zurückkommen kann. Das war einer meiner Vorsätze für das neue Jahr und ich bis jetzt bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis :)

Als ich Anfang Januar von meinen letzten Ferien in Deutschland wieder nach Cherbourg zurückgekehrt bin, ging direkt im Anschluss wieder die Schule los. ich war also die ersten Wochen wieder sehr damit beschäftigt, meinen Unterricht vorzubereiten, mündliche Prüfungen abzunehmen und an einem Schulausflug nach Caen teilzunehmen. Die Tage flogen nur so dahin, bis schließlich schon die Februarferien vor der Tür standen.

Impressionen aus Cherbourg
Der Hafen
Bis dahin habe ich meine freien Tage (also meistens das Wochenende) damit verbracht, herumzufahren und mir die nähere Umgebung anzuschauen. Zum Glück haben wir am Wochenende oft schönes Wetter, so dass man die Zeit für solche Ausflüge sehr gut nutzen kann. Den Sonntag verbringe ich meistens mit meiner Tutorin Ursula, ihrem Mann Gilbert und ihren drei Beaglen. Wir fahren dann, je nach Wetter, mit dem Auto zum Strand oder in den Wald, gehen für einige Stunden spazieren und plaudern über unsere Schüler, das Leben in der Normandie und natürlich die Beagles ;) Die letzten Male sind wir anschließend noch zu Gilbert Familie gefahren, die uns auf einen Tee mit Kuchen eingeladen und fröhlich miteinander geschwatzt haben. Ich fand es immer sehr angenehm dort, auch wenn die älteren Personen manchmal sehr schnell sprechen und deswegen nicht alles auf Anhieb verständlich ist.

Einsteigen, bitte :) 

Im Januar habe ich das erste Mal zwei tolle französische Traditionen kennen gelernt, die ich mir vielleicht in Deutschland übernehmen möchte: Die erste, das so genannte "Galette des Rois" wird am 6. Januar gefeiert (also am Dreikönigstag) und die Franzosen servieren anlässlich der heiligen drei Könige einen Kuchen aus Blätterteig, der entweder mit Mandelcreme oder mit Apfelstücken gefüllt ist. Mir persönlich gefällt die Variante mit Apfel besser, weil die Mandelcreme unglaublich süß ist und ich nie mehr als zwei kleine Stücken von dem Kuchen geschafft habe. Man kann das "Galette des Rois" selber backen oder auch beim Bäcker bestellen. Das besondere an diesem Dreikönigskuchen ist, dass in den Teig eine kleine Figur eingebacken wird. Der Jüngste am Tisch (das war meistens ich) darf auswählen, wer welches Stück vom Kuchen bekommt und derjenige, der die Figur in seinem Stück findet, bekommt eine Pappkrone aufgesetzt und ist das der König für den Abend. Das ist eine ganz lustige Spielerei in der Gesellschaft, mit der man erstmal im Mittelpunkt steht. Die Galettes, die man im Supermarkt kaufen kann, haben meistens sehr niedliche Figuren, zum Beispiel von Mickey Maus oder Asterix. Ich selbst bin auch einmal die Königin gewesen (ich habe mehrere Galettes mit unterschiedlichen Leuten gegessen).

Die zweite französische Tradition nennt sich "Chandeleur", was so viel bedeutet wie "Kerzenfest" und ebenfalls einen christlichen Ursprung hat. Es erinnert an die Erscheinung von Jesus und wird traditionell vierzig Tage nach Weihnachten gefeiert. Dieses Fest ist sehr nach meinem Geschmack, denn es werden ausschließlich Crêpes dafür serviert. Ende Januar gab es extra dafür eine Sonderabteilung im Supermarkt, wo man sich mit allen möglichen Marmeladen, Konfitüre, Nutella und sonstigen süßen Aufstrichen eindecken konnte, mit denen man die Crêpes belegen kann. Ich habe meine Crêpes ganz klassisch nur mit Zucker gegessen (Apfelmus ist hier nicht so verbreitet), aber ich habe auch die traditionelle Version gesehen, nämlich mit Zucker und Butter. Nun ja ... Wem's denn schmeckt ...

Was wollte ich sonst noch erzählen ... Ach ja, im Januar stand auch wieder ein etwas längerer Ausflug an, diesmal ging es nach Honfleur, eine wunderschöne, niedliche Hafenstadt, die ein bisschen an die Ostsee erinnert. Ich habe ein paar der anderen Assistenten mit dem Auto dorthin mitgenommen und so wurde es wirklich eine sehr unterhaltsame Reise. Danach waren wir noch in Trouville, die ungefähr auf dem Rückweg lag und uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ich fühle mich in der Normandie mit jedem tag heimischer und die ganze Umgebung, die beeindruckende Landschaft, die französischen Traditionen und die Menschen sind mir richtig ans Herz gewachsen. Aber vor allem das Meer werde ich in Deutschland sehr vermissen (und meine Joggingstrecke am Strand).

Das typische Straßenbild von Honfleur



In der letzten Ferienwoche stand dann noch eine Klassenfahrt auf dem Programm, es ging nach Caen, die Hauptstadt der Kasse-Normandie. Eigentlich hatten wir vorgehabt, das Mémorial de Caen und anschließend einen deutschen Soldatenfriedhof zu besichtigen, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, denn genau an diesem Tag schneite es in der Normandie (das erlebte ich zum ersten Mal!). Deswegen mussten wir uns auf einen Besuch des Museums beschränken und fuhren anschließend direkt zurück nach Cherbourg, aber es war trotzdem ein interessanter Ausflug. das Mémorial ist ein sehr großes Museum, das sich mit dem ersten und dem zweiten Weltkrieg befasst (und alle Angaben dort finden sich auf französisch, englisch und deutsch), so dass sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat. Carolina, die Assistentin aus Chile, hat uns ebenfalls begleitet und wir haben später zusammen mit den anderen Lehrern in der Caféteria einen Kaffee oder eine heiße Schokolade getrunken.

Der Hafen von Caen

Mémorial de Caen


So, das soll es für heute erstmal gewesen sein. Ich habe mir vorgenommen, euch in den nächsten Tagen noch ein wenig von meinem Schulalltag und meiner Gastfamilie zu berichten und dann gibt es mehrere kleine Berichte darüber, wie ich meine Winterferien in Frankreich verbracht habe. Die meisten von euch haben wahrscheinlich schon die Fotos auf Facebook gesehen, aber wer sich auch für die Hintergründe meiner Reise interessiert, kann gerne hier mal reinschnuppern.

Bisous et à très bientôt,
Bianca