nachdem ich euch letzte Woche einen Einblick in meine Erlebnisse der ersten Monate den neuen Jahres gegeben habe, möchte ich heute damit fortfahren und euch daneben einige Details aus meinem ganz normalen Alltag an den französischen Schulen berichten.
Inzwischen hat sich bei mir eine gewisse Alltagsroutine entwickelt, an die ich mich sehr gut gewöhnen könnte: Ich arbeite an allen Schulen für jeweils vier Stunden, manchmal auch mit spontanen Änderungen im Stundenplan, zum Beispiel wenn ein Kinobesuch mit den Schülern auf dem Programm steht oder deutsche Schüler aus der Partnerstadt Bremerhaven zu Besuch kommen. Ersteres war im Oktober der Fall, als das deutsche Filmfestival in Cherbourg stattfand und ich mit sechs Klassen dreimal "Fack ju Göthe" und zweimal "Westen" angeschaut habe. Insgesamt wurden ungefähr zehn Filme gezeigt (in deutscher Originalsprache, aber mit französischen Untertiteln), aber die Auswahl an sich war eher mäßig - eben so, wie wir alle die deutschen Filmen kennen und hasslieben ;)
Die deutschen Schüler aus Bremerhaven sind momentan ein aktuelles Thema, denn sie sind gestern Abend am Bahnhof von Cherbourg angekommen. Heute mache ich mit ihnen und ihren französischen Partnern eine kleine Stadtführung durch Cherbourg und auch am Montag und Donnerstag bin ich auf ihren Ausflügen mit dabei. ich bin sehr gespannt, was die Deutschen so zu erzählen haben :D
| Die rauen Küsten von Cherbourg |
Aber auch der normale Schulalltag und das Unterrichten macht mir großen Spaß. Offiziell darf ich die Klassen zwar nicht alleine unterrichten - die jeweilige Tutorin und ich teilen die Klassen meistens auf zwei benachbarte Klassenzimmer auf und jeder übernimmt eine Hälfte oder wir gestalten den Unterricht gemeinsam - aber in der Praxis klappt das nicht immer. Letzte Woche war ich das erste Mal mit einer Klasse komplett alleine, die ich zudem noch gar nicht kannte (das dachte ich zumindest, bis mir die Schüler sagten, dass ich schon einmal ihren Unterricht besucht hätte ^^), aber gerade diese Herausforderung hat richtig Spaß gemacht und es war ein schönes Gefühl, auch komplexe Inhalte und grammatische Besonderheiten nach und nach erklären zu können. Dazu gehören zum Beispiel auch aktuelle Themen wie das traurige Attentat auf Charlie Hebdo und die darauf folgenden Reaktionen überall in der Welt. Ich habe mit vielen Klassen darüber gesprochen, einige Schüler wollten auch gerne darüber reden und an allen Schulen fanden einige Tage nach dem Anschlag gemeinsame Schweigeminuten statt. Außerdem gab es eine große Demonstration in der Cherbourger Innenstadt, an der meine Tutorin und ich und mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben. Die Anteilnahme war riesig, ebenso wie die Nachfrage auf die erste Ausgabe von Charlie Hebdo nach dem Anschlag. In Cherbourg dauerte es mehrere Tage, bis die ersten Auflagen in den Läden erschienen und diese waren meistens innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Schlangen vor den Zeitungsständen waren plötzlich kein ungewöhnliches Bild auf meinem Schulweg am frühen Morgen.
| Auf der Demonstration vor dem Rathaus von Cherbourg |
Dank meinen sehr netten Tutorinnen und den unermüdlichen Bemühungen meiner Gastfamilie, mir neue Wörter beizubringen aus der französischen Alltags- und Jugendsprache. Ich liebe zum Beispiel den Ausdruck: "C'est nickel!", was übersetzt bedeutet: "Das ist toll!" oder wenn man auf die Frage: "Quoi de neuf?" ("Was gibt's Neues?") antwortet mit: "Toujours la moitié de 18!" ("Neun (neuf) ist immer die Hälfte von achtzehn!"). Die Franzosen lieben solche Wortspiele ^^
Zum Glück habe ich neben meiner Gastfamilie auch eine sehr freundliche Tandempartnerin gefunden, die ebenfalls Lehrerin ist. Wir helfen uns gegenseitig, indem ich ihr von meinem Alltag auf Französisch erzähle und sie anschließend ihren Alltag auf Deutsch. Danach ergänzen oder korrigieren wir Fehler in der Grammatik. Ich finde es immer noch sehr süß, wenn Franzosen (vor allem meine Schüler) Deutsch sprechen, ihr Akzent hört sich sehr interessant an.
Die Abende verbringe ich meistens mit den anderen Assistenten in einer Bar oder einem Restaurant oder ich bleibe bei meiner Gastfamilie und wir diskutieren über die Politik, das aktuelle Zeitgeschehen oder unseren Alltag. Am Wochenende kommen die Töchter von Christian oft zum Abendessen vorbei und mit Stéphanie, die ungefähr in meinem Alter ist, gehe ich ab und zu ins Kino (was sehr praktisch ist, denn das befindet sich quasi im die Ecke).
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| Meine Gasteltern (mit Hündchen ^^) und ich |
So, damit verabschiede ich mich erstmal wieder von euch und freue mich schon ehr darauf, euch in meinen (bald folgenden) Blogeinträgen von meiner großen Rundreise durch Frankreich zu berichten, die in den Februarferien auf dem Plan stand. Ich wünsche euch bis dahin noch eine schöne Zeit und genießt den kommenden Frühling.
Bisous,
Bianca

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